T-Shaped Recruiter* lösen die Probleme in einer Welt, die sich immer schneller ändert, die ständig sowohl komplizierter als auch sogar komplexer wird, die weder Generalisten* noch Spezialisten* managen können. Die Wahrheit ist: In allen HR-Bereichen wächst das Wissen fast exponentiell. Jedoch ist eine spezielle Skillsbreite bei gleichzeitiger Tiefe benötigt, um besonders so komplexe Probleme wie zum Beispiel den Fachkräftemangel zu erfolgreich und tatsächlich zu besiegen. Diese Blogartikel-Serie und dieses Konzept des T-Shaped Recruiter* ist für alle Recruiter* und Sourcer* (und Ihre Chefs*) geschrieben, die aktuell das Gefühl haben, dass sie sich neu positionieren und weiterentwickeln möchten, aber ihre Zukunft nicht mehr in den klassischen Profilen Generalist* (meist hierarchisch) oder Spezialist* (meist rein fachlich) sehen.

T-Shaped-Vorgeschichte: Ein Hamsterrad kann wie eine Karriereleiter aussehen.

Ihnen als Recruiter* muss ich das nicht erklären: Die Unternehmen werden zunehmend anspruchsvoller. Sie suchen oft nicht nur reine Java-Developer* oder Recruiter*, sondern Java Full Stack Developer* oder 360-Grad Recruiter* (Hier im Blogartikel mehr: “Sollten Sie weiter nach einem 360 Grad Recuiter suchen?).  Nicht selten geht es soweit, dass in einer einzigen Stellenanzeige die Kompetenz eines ganzen Teams erwarten wird und wird verargumentiert mit “Job Enrichment” – kann es auch sein, ist es aber immer seltener.

Das bedeutet für den Stelleninhaber*: Sie sind dann in Wahrheit keine Full Stack Developer– bzw. 360 Grad-Recruiting-Generalisten, sondern Super-Spezialisten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie in eine Spezialisten-Sackgasse geraten sind und es schwer haben werden, zu beweisen, was sie wirklich können, um weiter zu kommen.

Was wäre wenn T-Shaped diesen Karriere-Knoten lösen könnte?

Und leider gibt es davon noch eine Steigerungsform:  Sobald der Job mit etwas mehr Verantwortung belegt ist, wie bei Projektleiter*, Partner, Leads oder Consultants, dann liest man in den Stellenbeschreibungen, dass diese heute  Tausendsassas sein müssen: Sie übernehmen selbst neben den Projektmanagement-Aufgaben 30-40 %  Fachaufgaben  (wie Programmieren  -Developer oder Recruiting – Business Partner). Gleichzeitig wird intensive Kundenakquise oder Fachbereichs-Betreuung erwartet und und im Fall des 360 Grad Recruiters* sollen diese sogar in der Lage sein, Zeit für das Active Sourcing zu finden. Klingt spannend und abwechslungsreich, ist aber meist eine gleiche Sackgasse:

Die Aufgaben sind oft gar nicht breit, sondern in Wahrheit tief, weil sie immer nur in einem Fachbereich bleiben (Development oder Recruiting) und so vielfältig, dass gar keine Zeit für Breite aka der Überblick mehr da ist. Kurz: Es braucht ein Job- und Qualifikations Profil, das Breite mit Tiefe vereint und “absichert”: Das T-Shaped Qualifikationsprofil.

Deshalb sind T-Shaped Qualifikationsprofile derzeit so gefragt

Lassen Sie uns genauer hinsehen: Woher kommt die aktuelle Situation, dass so viele Stellenbeschreibungen und Job Roles so anspruchsvoll sind? Der Anlass ist sicherlich stark mit der Digitalisierung verbunden, aber es gibt mehr Gründe, die von beiden Seiten, Unternehmen und Kandidaten* unterschiedlich gesehen werden:

1. Die Unternehmens-Seite.

Man könnte es sich jetzt leicht machen und sagen: Das liegt am Fachkräftemangel. Tatsächlich ist es auch so, dass viele Unternehmen in vielen Disziplinen große Probleme haben, die gewünschte Anzahl an Spezialisten und Experten zu finden. Auch dürfen sie meist aufgrund der Head Count-Zahlen (Mitarbeiterplanung) gar nicht so viele Mitarbeiter* einstellen, wie sie an Spezialisten* benötigen. Die Arbeit muss aber dennoch gemacht werden.

Das Ergebnis: Alle Anforderungen werden in einem Job gesammelt. Und dementsprechend setzen Unternehmen heute auf Mitarbeiter*-Profile, die einer “eierlegenden Wollmilch-Sau” nahe kommen. Und damit sind unrealistische Erwartungen an der Tagesordnung: Diese Rundum-Experten* sollen dann die Aufgaben, für die man eigentlich mehrere Spezialisten benötigen würde.

2. Die Kandidaten*-Seite

(Zukünftige) Mitarbeiter* beobachten heute die Kollegen* und deren Karriereentwicklungen. Weil viele Mitarbeiter* wollen nicht mehr in Silos denken und agieren. Sie tauschen sich aus und haben immer weniger das Boomer-“Leben -um-zu-arbeiten”-Selbstverständnis. Für die Generation X, Y und Z gilt, dass für sie sowohl Work-Life-Balance wichtig ist als sie auch den Impact sehen. Sie wollen näher am Sinn ihrer Arbeit stehen und sich einbringen, wie zum Beispiel bei Kreativ-, Entwicklungs- und Produktmanagement-Prozessen eingebunden sein.

Die Lösung ist in vielen Bereichen Agilität und andere Lean Organisations- und Arbeitsformen, also New Work. Aber: Nicht alle wollen 100% agile oder lean arbeiten. Sie wollen auch etwas ruhigere Jobs und Aufgaben mit Sicherheit, mit mehr Routine und dennoch Flexibilität  – das kann ein Paradoxon werden, wenn man nicht eine Lösung findet.

3. Gemeinsamkeit:

Kurz: Unternehmen* wie Mitarbeiter*, die sich aktuell weiterentwickeln wollen, kombinieren und suchen heutzutage zunehmend in den Job Roles und Stellenbeschreibungen beides: Tiefen-/ Spezialisten-Expertise und Breitenknowhow  – Und das findet sich im sogenannten T-Shaped-Profil.


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Was ist ein T-Shaped Qualifikationsprofil bzw. Karrierepfad?

Es ist einfach zu erklären: T-Shaped Professionals sind besondere Talente, sie verbinden das

  • Grundwissen aka BREITENWISSEN  in SOFTSKILLS  und  DIGITALE SKILLS (beide stehen im Fokus im Breitenwissen – wie z.B. besondere Kommunikationsfähigkeiten Verhandlungsgeschick mit den Fachbereiten oder Automatisierungsmöglichkeiten)  sowie sie verschiedene Personalgewinnungs-Disziplinen eines Generalisten* (Beispiel: Personalmarketing) – je nach Definition
  • mit dem TIEFENWISSEN, d. h. dem tiefen und fundierten EXPERTENWISSEN eines Spezialisten* in einem einzelnen Bereich bzw. umfassenden Fachgebiet (z.B. Active Sourcing, Personalmarketing oder Personaldiagnostik) – ja nach Definition.

Da die generalistischen Themen (Breiten-, Digitale und Softskills) die horizontale Basis bilden und die Spezialisierung die vertikale Vertiefung (fundierte Hardskills), entsteht als Bild ein T. Übersetzt heißt T-Shaped damit T-förmig. Der Begriff wird, weil es wie eine feststehende Bezeichnung benutzt wird und die T-Form nur so wieder gegeben wird, meist groß geschrieben.

Was sind T-Shaped Skills allgemein?

Aus Unternehmenssicht bzw. mit dem unternehmerischen Fokus des Beitrags zur Wertschöpfung im Unternehmen sind die T-shaped Fähigkeiten Qualitäten und Eigenschaften, diejenigen, die Inhaber* dieser Skills für eine Organisation wertvoll machen. Personen mit diesen Fähigkeiten verfügen in der Regel über umfassende Kenntnisse bzw. Fachkenntnisse und Fähigkeiten in bestimmten Bereichen, die mit ihrer beruflichen Leistung und ihrem Erfolg zusammenhängen.

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Arbeitgeber*, die Fachkräfte mit T-Shaped Fähigkeiten suchen, erkennen, dass es mehrere Arten von Mitarbeitern gibt:

  1. I-förmiges Qualifikationsprofil – (Spezialisten* mit Tiefenwissen in einem Fachbereich, Softskills sind nicht im Fokus)
  2. X-förmiges Qualifikationsprofil – (Generalisten* mit Breitenwissen besonders aber mit speziellen Softskills – meist Führungskräfte)
  3. T-förmiges Qualifikationsprofil – (Professionals mit sowohl Tiefenwissen in 1 oder 2 zusammenhängenden Fachbereichen und auch Breitenwissen wie speziellen Softskills)
  4. Pi-förmiges Qualifikationsprofil – (Besondere Experten*, die Tiefenwissen in 2 unterschiedlichen, nicht direkt verbundenen Fachbereichen haben und die sie wenigen, speziellen Softskills verbinden.)
  5. M-förmiges oder auch Comb-Qualifikationsprofil – (Comb stammt von Combination: Besondere Experten*, die Tiefenwissen in 2 unterschiedlichen Fachbereichen, so mit ein oder zwei weitere speziellen Fachbereiche mit wenigen, speziellen Softskills kombinieren.)

(Wikipedia findet hier noch viel mehr Qualifikationsprofile.)

Wie sieht dieser T-Shaped-Gedanke in der Praxis aus und woher kommt er?

David Guest und Tim Brown, CEO von IDEO, haben diese Aufschlüsselung der T-Shaped Qualifikationsprofile in Tiefen- und Breitenwissen zuerst bei McKinsey & Company verwendet, um die Einsatzbreite von Berater und später von ITlern besser zu planen und zu entwickeln. Sie helfen in einer sich ständig verändernden Welt , in der Technologie und Organisation nicht mehr gleichbleibt, anpassungfähigere Einsatzplanungen und damit Personalentwicklungskonzepte möglich machen.

Viele agile Organisationen und Recruiter* verwenden sie dieser Profil-Definitionen heute, um Tech-Kandidaten* zu qualifizieren und bewerten, aber auch um Teams zusammenzustellen und Projekte zu managen. Oft ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie bereits diese Profile unterscheiden. Weil gerade Funktionen  wie zum Beispiel der Produkt Owner T-Shaped Qualifikationen erfordern: sowohl das BREITENWISSEN um die Teamarbeit Verständnis der Funktionen.

Der Mehrwert von T-Shaped Professionals für dein Unternehmen

Viele Mitarbeiter leiden nicht erst durch die COVID-Veränderungen unter fehlendem Austausch und fühlen sich dadurch in ihrer Zusammenarbeit und letztlich in ihrem Arbeitserfolg gehindert. (Mehr Infos hier in einer Studie der Staufen AG52% von 326 befragten Unternehmen sahen das so). Das heißt Zusammenarbeit wird als Bestandteil nicht nur der Motivation, sondern des Erfolgs gesehen und besonders wichtig. Hierbei geht es aber nicht nur um den persönlichen, kollegialen Austausch mit den eigen Teammitgliedern, sondern auch mit Fachbereichen, um sich besser zu verstehen: T-Shaped Professionals können einen großen Beitrag dazu leisten.

Gleichzeitig verfügen T-Shaped Professionals über die kommunikativen Soft Skills und digitalen Kenntnisse , die erforderlich sind, um für alle Beteiligten die Zusammenarbeit angenehm zu gestalten und sich gegenseitig zu verstehen – auch ihre Interessen. T-Shaped Professionals sind  Mittler und Übersetzer zwischen unterschiedlichen Arbeitsweisen und Erwartungen an die Zusammenarbeit. So entstehen Schnittstellen, die kreatives, gemeinschaftliches Arbeiten fördern und den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Organisation stärken.

Zusammenfassung Teil 1:

Der T-Shape Gedanke wurde durch die Digitalisierung akzeleriert. Es war bereits in den 90iger Jahren erkennbar, dass Spezialistenkarrieren nicht mehr auf die ständigen Veränderungen vorbereitet sind und damit die Teamleistung bzw. das Unternehmensergebnis gefährden, jedoch die Generalisten mit den vielen einzelnen Digitalisierungskonsequenzen im Alltag überfordert waren.

Das T-Shape-Qualifikationsprofil steigert die Produktivität des einzelnen sowie ganzer Teams durch die kluge Aufgaben und Knowhow-Zusammensetzung von Generalisten*-, Spezialisten* und T-Shape-Professionals – wobei der T-Shape Professional immer eine Mittlerfunktionen übernimmt, die eine Führungskraft nicht ausgleichen kann, weil sie meist ein Generalist* ist.

Fortsetzung:

Teil 2: Wie werde ich T-Shaped Recruiter* und woran erkenne ich T-Shaped Recruiting Skills? [Teil 2]
Teil 3: Generalist* vs Spezialist* vs T-Shaped: Welches Recruiter*-Profil passt zu uns? [Teil 3]

Happy Recruiting und Sourcing!

 

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    Autor:in

    • Barbara Braehmer

      Sie ist pragmatische Talentfinderin, Expertin im ‚Finden‘ talentierter Mitarbeiter, Social Recruiting Coach, Master-Sourcerin, Trainerin und Autorin des Besteller-Kompendiums “Praxiswissen Talent Sourcing” sowie Co-Autorin des Bestellerbuches ‘Praxishandbuch Social Media Recruiting’. Nach einem BWL-Studium in Deutschland und Großbritannien, langjähriger Erfahrung als Personalmanagerin in renommierten Qualitätsunternehmen der Industrie und als Partnerin bei Top-10-Personalberatungen gründete sie 2005 die Intercessio GmbH. Ihr Motto: In Dir muss brennen, was Du in anderen entfachen willst – Augustinus