Obwohl letztlich der Sourcing Prozess gleich ist: Personalberater setzen als Dienstleister andere Schwerpunkte und bevorzugen deshalb andere Active Sourcing Tools. Eine Ursache ist meist in einer anderen Organisation zu finden: In der Regel ist die Suchmethode Active Sourcing nicht die einzige Kandidaten-Quelle, sondern der Schwerpunkt liegt in der telefonischen Identifikation möglicher Kandidaten. Diese wird meist eher nur durch Online-Recherche unterstützt (genannt Phone Sourcing).

Warum sehen Personalberater und Researcher Active Sourcing anders als Linien-Sourcer?

Das Problem ist: Tools und damit auch Active Sourcing Tools sind nur so gut wie ihre User. Und die sind meist in der Personalberater nicht diejenigen, die den Prozess der Personalbeschaffung managen. Denn ein Personalberater ist nicht einfach nur Recruiter oder ein Berater. Er ist vornehmlich im Vertrieb – er „verkauft“ seine Dienstleistung an Kunden und die offenen Stellen an Kandidaten. Die Durchführung der Dienstleistung und das Suchen und Finden selbst ist somit für viele aus verschiedenen Gründen (Organisation, Wertewandel und viele mehr) zweitrangig oder wird von einem Backoffice Team (intern und extern) durchgeführt.

Warum viele Personalberater gar nicht wissen, dass Active Sourcing ein erlernbares Knowhow ist

Heute ist für die meisten Personalberater die Vertriebsfokusierung eine existenzielle Frage. Der Wettbewerb um die guten Kundenaufträge ist exponentiell gestiegen. Und das nicht nur, weil potentielle Kunden heute selbst Active Sourcing betreiben. Die Ursache ist multipel, hier nur ein paar Beispiele:

  1. Social Media User Profile scheinen für viele einfach erreichbar zu sein. So stieg die Zahl der Personalberatungen und Personen, die Personalberatung und -vermittlung anbieten, in Deutschland sprunghaft – und damit der Wettbewerb unter Personalberatungen
  2. Mehr Personalberatungen und mehr leicht erreichbare Kandidaten sorgen für einen Verfall der Höhe der Honorare
  3. Mehr Personalberatungen, die nicht selten völlig unerfahren um Kundenaufträge werben, haben eine weitere, fatale Wettbewerbswirkung. Sie haben auch zur Folge, dass der größere Teil der Aufträge „auf Erfolg“ vergeben werden ( siehe Punkt 1.). Wer so unter Druck ist, kann kaum mehr professionell sourcen und macht sich wenig Gedanken über Active Sourcing Tools.
  4. Dies zieht einen weiteren Teufelskreis nach sich: Eine exponentielle Steigerung der kontaktierten Social Media User, die alle als Kandidaten gesehen werden und nicht mehr als Persönlichkeiten. Das wird dann als „Active Sourcing“ definiert.
  5. Allerdings: Personalberater sourcen und kontaktierten äußerst selten selbst (sie sind im Vertriebs-System eingebunden oder sogar „gefangen“). Meist sind es ihre Projektassistenten oder ihr (Telefon-) Researcher, die zusätzlich diese Active Sourcing Aufgaben übernehmen. Und oft müssen diese ohne Ausbildung arbeiten und vermischen Telefonieren und Web-Search, was äußerst unprofessionell ist.
  6. Leider ist das noch nicht das Ende der Spirale: Massenweise ist man in vielen Personalberatungen der Meinung, dass das bißchen ‚in XING Suchen‘ ein Praktikant oder Student auf Mindestlohnbasis – völlig unausgebildet machen kann. Erstens (siehe Punkt 5.) meint man durch Masse alles lösen zu können. Und zweitens kommt erschwerend hinzu, dass sehr viele Menschen dem Marketing-System von Google aufsitzt und denkt: ‚Ich kann gut googeln, dann wird das auch für jemanden in XING nicht schwer sein‘. (Kennen Sie jemanden, der von sich behauptet ‚ich kann nicht gut googeln‘?)
  7. Und dann schnappt die Recruiter-Denkfalle zu: Die meisten Personalberater sind der Überzeugung, die Lösung ist das Interview, denn dort können sie mit ihrer „Professionalität und Berufserfahrung“ alles klären – so wie früher. Was zwar in der analogen Welt vor 20 Jahren ging, aber heute in der Welt der Digitalisierung nicht mehr möglich ist. Denn aus den (für die Vakanz) falschen Usern, kann man mit ehrlichen Mitteln keine richtigen Kandidaten zaubern.
  8. Die Hartnäckigen und Verzweifelten gehen dann einen Schritt weiter: Und wenn das nicht hilft, geht es mit dem sogenannten Lebenslauf-Vertrieb los: Man präsentiert Kunden die tollsten Kandidaten-Berichte, um sich Gehör und ein Honorar zu verschaffen.

Auch in Personalberatungen gilt: Active Sourcing Tools sind nur so gut wie ihre Nutzer 

In diesem Teufelskreis ist keine Zeit, sich mit echter Digitalisierung des Personalbeschaffungsprozesses zu beschäftigen – und schon gar nicht mit professionellem Active Sourcing. Oft ist überhaupt kein digitales Mindset oder Bewußtsein vorhanden, um das Web und Social Media professionell zu nützen oder den Mitarbeitern zu helfen, die dies tun sollen. Also fehlt nicht selten die Kompetenz im Personalberatungs-Unternehmen, professionelles Active Sourcing durchzuführen und die Active Sourcing Tools richtig zu orchestrieren.

DER TOP-Wettbewerbsvorteil für Personalberater: Professionelles Active Sourcing

In der analogen Welt war es noch so, dass alle Tools automatisch Arbeitserleichterungen brachten. Und nun glauben heute viele: Dies müssen digitale Tools alle ebenso automatisch tun – schließlich versprechen es die Anbieter. Das tun diese Tools aber nur, wenn man sie in den digitalen Prozessen passend anwendet (was die Anbieter einfach voraussetzen). Zum Vergleich: Ihren Ferrari mit Diesel betanken und nach Regen über einen Feldweg zu jagen funktioniert genau so wenig, wie zu meinen, man kann Active Sourcing Tools effizient überall intuitiv nützen.

Alle Personalberater, die professionelles Active Soucing betreiben, schaffen sich einen doppelten Wettbewerbsvorteil: Sie finden schneller bessere Kandidaten und sind durch professionelle Kommunikation mit ihnen erfolgreicher und effizient.

Unsere Empfehlungen der 8 besten Active Sourcing Tools für Personalberater:

1. Ihr Eintritt ins Web – ohne den Chrome Browser geht gar nichts

Beim Antrag den Chrome Browser zu installieren gibt es nicht selten Grundsatzdiskussionen. Es ist keine Frage: Der Chrome unterstützt Googles Datenhunger. Doch alles im Web ist ein Geben und Nehmen: Will ich zusätzliche Informationen erhalten, brauche ich ein Instrument, das dies ermöglicht. Dieses kann ich aber nur nützen, wenn ich mit meinen eigenen Informationen „bezahle“. Aus unserer Sicht ist die Vorteil und die Arbeitserleichterung, die die Apps und Erweiterungen des Chrome Browser ermöglichen, durch kein bezahltes Tool zu ersetzen.

Mehr Informationen in: 10 praktische Tipps für Google Chrome 

2. Mit Keyword Tools Fehler ausschließen

Eine Stellenanzeige alleine als Grundlage für ein Sourcing-Projekt führt in der Regel zu den falschen Keywords und in der Semantischen Suche meist zu den falschen Suchbegriffskombinationen. Ein guter Sourcer stellt die Suchanfrage bzw. schreibt die Suchketten so, dass die Suchmaschine diese verstehen kann und aus diesem Grund die richtigen Kandidaten findet. Es kommt heute weniger auf die Booleschen Befehle, also auf die richtigen Keywordkombinationen an.

Mehr Informationen in: Die 5 wichtigsten Keyword Tools der Semantischen Suche 

3. Schneller und effektiver Kandidaten-Googeln

Social Media Portal-Suchmaschinen haben alle ihre Grenzen – aber Google hilft. Google gehört als Kandidatenquelle in Ihre Active Sourcing Toolbox. Aber natürlich sind die Ergebnislisten von Google nicht für Recruiter gemacht. Hier gibt es ein Effizienz-Tool auf das Sie nicht verzichten sollten und das Ihnen unendliches Scrollen ermöglicht: gInfinity (eine Chrome Erweiterung).

Mehr Informationen in: Kleines Tool, große Wirkung – mit gInfinity in Google scrollen statt blättern 

4. Effektivität in der Identifikationsphase

Nicht einmal der XING Talentmanager bietet Tagging-Hilfe. Schnell zu erkennen, ob auf einem Profil oder einer Liste der jeweilige User die richtigen Keyword-Kombinationen stehen hat, ist oft mit bloßem Auge unmöglich. Highlighter Tools, die mit unterschiedlichen Farben arbeiten und mit einem Klick funktionieren, sind deshalb Gold wert. Und es gibt davon einige, die sogar kostenlos sind, wie der Multihighlighter, eine Chrome Erweiterung.

Mehr Informationen in: Da werden Sie echt geholfen: Der Multihighlighter ist ein Effektivitäts-Tool zur Talent-Erkennung  

5. Das One-fits-all Tool gibt es nicht – aber was ist die richtige Active Sourcing Tool Kombination?

Es ist eine unendliche Geschichte: Der DIY-Sourcer bucht ein kostenpflichtiges Sourcing Tool und hofft, dass die Versprechungen der Anbieter stimmen – und ist in der Regel enttäuscht. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zwar zuletzt, aber dennoch ist es ein Fakt: Es gibt kein One-fits-all Tool. Welche Active Sourcing Tools was können, haben wir in einer Präsentation auf der letzten Zukunft Personal zusammengefasst, damit Sie eine gute Auswahl der richtigen Active Sourcing Tools für sich treffen können.

Mehr Informationen in: Active Sourcing Tool Time auf der Zukunft Personal #ZP16 

6. Grundlage für eine erfolgreichen Kontaktaufnahme: Personal Branding für Sourcer

Wußten Sie, dass heute die meisten Kandidaten Ihre Ansprechpartner zuerst einmal googeln bevor sie antworten? Und Menschen neigen heute dazu, das zu glauben, was sie in Google finden, ob aus Zeitnot oder anderen Gründen. Aber Sie können das sehr leicht beeinflussen und glauben Sie uns: Es hat fast immer eine Turbo-Wirkung auf Ihre Responserate, wenn Sie Ihr „Sourcer Branding“ professionalisieren. Also unser Ratschlag: Kümmern Sie sich um Ihre Online-Reputation!

Mehr Informationen in: Die 5 wichtigsten Personal Branding Tools für Sourcer 

7. Mehr Kontakt-Details finden – Kombination Research und Sourcing

Phone Sourcing heißt die kluge Kombination von Active Sourcing mit Telefon Research. Man kann nicht alles und alle Stellen sourcen. Aber man kann fast alle Personalbeschaffungprojekte durch Active Sourcing unterstützen und katalysieren! Sourcer finden Telefonnummern oder Email-Adressen, zusätzlichen Informationen oder weitere Social Media Account. Und dafür gibt es sogar kostenlose Tools. Die Chrome Erweiterung Prophet ist derzeit unser Lieblings-Tool, das wir Ihnen empfehlen können.

Mehr Informationen in: Super praktisches Sourcing Tool in der Kontaktphase: Die Chrome Extension Prophet 

8. Sichern Sie Ihr Knowhow: Ihre eigene Active Sourcing Bibliothek

Ihre Effizienz hängt davon ab, dass Sie immer besser werden. Das geht nur, wenn Sie sich Ihre „richtigen Wege“, „richtigen Suchketten“, „richtigen Sources“ und besten Active Sourcing Tools speichern. Deshalb bringen alle klugen Sourcer Ordnung in Ihr Knowhow und erstellen sich eine Active Sourcing Bibliothek. Denn auch für sourcende Personalberater gilt: Ordnung ist das halbe Leben!

Mehr Informationen in: Ihre persönliche Active Sourcing Bibliothek: Wozu ist sie gut? 

Zusammenfassung

Da viele denken, das proaktives Kontaktaufnehmen aller Art bereits Active Sourcing ist und sich nicht vorstellen können, dass man hier Prozesse deutlich effizienter gestalten kann, ist es für diejenigen Personalberater die professionelles Active Sourcing lernen und einsetzen, ein deutlicher Wettbewerbsvorteil. Die meisten Personalberatungen, besonders die größeren Organisationen, sind in ihrer Vertriebsstruktur gefangen. Sie stehen sich somit in ihrer Weiterentwicklung selbst im Weg, denn erfolgreiche Transformation eines Unternehmens geht nur ganz und durch Änderung der Prozesse – oder gar nicht.

Wenn old-school-arbeitende Personalberatungen sinnlosen Longlists abarbeiten und dadurch Zeit verbrennen  – und nicht selten sogar die Employer Brand ihrer Kunden durch viel zu aggressives Vorgehen im Kontaktieren via Gießkannenprinzip gefährden – hat der Personalberater, der moderne Active Sourcing Tools in einen professionellen, digitalisierten Personalbeschaffungsprozess einbaut, schon fast gewonnen. Wie auch sonst im Leben sind diese Early Adopter schneller, besser und erfolgreicher. Allerdings ohne Umdenken und Umorganisieren wird der Erfolg auch hier ausbleiben, nur tolle Active Sourcing Tools einsetzen bringt nicht die Wende.

HAPPY SOURCING!

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