Es gibt viele Gründe, warum Menschen Fake-Profile anlegen – von der Vorstellung, dies sei Persönlichkeitsschutz über Doppel-Accounts bis hin zu richtig gut vorbereiteten kriminellen Intensionen. Das Web macht es möglich, dass einige denken, dass sie auf diese Weise unerkannt agieren und ihre Ziel verwirklichen können.

Was ist ein Fake-Profil?

Ein Fake ist eine Fälschung – mit einem Fake-Profil wird also versucht, zu täuschen. Es können grundsätzliche Teile falsch sein und dadurch eine neue Persönlichkeit entstehen – oder das ganze Profil und die Persönlichkeit sind frei erfunden. In jedem Fall stimmt etwas nicht, so dass Sie es nicht mit dem korrekten digitalen Abbild einer realen Person mit lauteren Absichten zu tun haben. Es gibt viele Gründe, warum ein Fake-Profil erstellt wird:

  • User sind geltungsbedürftig oder möchten in einem anderen Licht erscheinen. Sie beschönigen ihren beruflichen oder persönlichen Hintergrund, ihr Foto oder ihr Alter, ihren Austrittsgrund oder ihre hierarchische Position, geben sich andere Titel, erfinden Ausbildungsabschlüsse, sprechen viele Sprachen fließend, Lebenslauflücken verschwinden usw.
  • Kriminelle möchten ihre Opfer ausspionieren, abzocken  oder etwas Illegales verkaufen, Geld erbetteln
  • Oder Daten wie Ihre Email-Adresse für den Adressen-Verkauf oder eigenes Spamming stehlen oder sogar IT-Systeme zerstören
  • Chancen bei Online-Flirts sollen erhöht werden bis hin zum Internetbetrug, der nun auch in Business Netzwerken Einzug hält (hier mehr: Romance Scamming ).
  • User wollen sich einen ‚Spaß‘ erlauben (siehe auch Cyber-Mobbing) oder destruktiv ‚herumtrollen‘ und (zer-) stören (hier mehr zu Trolls)
  • Recruiter oder Social Media Verkäufer/Marketer, die durch Portal Richtlinien wie eingeschränkte Anzahl der Suchen (LinkedIn) oder eingeschränkte Möglichkeit der Kontaktaufnahmen (Xing und LinkedIn) begrenzt werden. Sie legen mehrere Freemium Profile unter anderem Namen an, um leichter Kontakt aufzunehmen (Hier ein guter Artikel dazu im Prospektive Blog: Fake-Accounts im Recruiting? So lieber nicht!
  • Es geben sich sogar ganze Syndikate mit Hunderten von Profilen als Recruiter aus, um an die Daten und Email-Adressen von Menschen zu kommen – hier ein Bericht aus den USA (bitte auch in den Kommentaren dazu lesen: How to spot a fake profile )
  • Firmen wollen sich größer erscheinen lassen und geben mehrere Mitarbeiter vor, die nicht existieren

Fake-Profile in Business-Netzwerken: Xing und LinkedIn

Xing und LinkedIn bemühen sich, Fake-Profile zu unterbinden. Doch wie die Pressemeldung vor einem Monat zeigt, als Xing bekannt gab, dass es nun gegen 20.000 Fake-Profile vorgehen wird: Es ist schwer, dieses Verhalten komplett auszuschließen (Infos hier auf Crosswater Job Guide mit Erläuterungen zu diesem Cyber Diebstahl). Datensicherheit und Geldanlage sind besonders gefährdet und beliebte Ziele. Anfang Mai 2015 haben LinkedIn und Facebook zusammen ein ganzes Netz mit 200 Accounts ausgehoben (hier mehr). Dort, wo es keine Klarnamen Policy (eine Pflicht unter dem realen Namen zu agieren) gibt (wie auf Twitter) oder diese schwer durch zu setzen ist (wie auf Facebook), ist es besonders schwer, Fake-Profile zu bekämpfen. Aber auch im Business Network-Bereich rüsten die Fake-Profil Ersteller auf und sind aktiv (nachfolgend ein deutliches Beispiel).

Woran erkennt man ein Fake-Profil?

  1. Ganz typisch sind Stockfotos: Diese sind sehr oft glatte, perfekt gestyle Menschen im Portrait-Stil perfekt ausgeleuchteten Fotos  – wie die Fotos, die Sie in einem Bilderrahmen vorfinden, wenn Sie diesen im Laden kaufen. Es gibt aber nichts, was es zu Fotos nicht gibt: Das ist nur eine Faustregel!
  2. Die Namen sind meist ‚Allerwelts-Namen‚ oder exotische Namen wie z.B. Sara Meier oder Dennis Morgan oder Ametyst Williams-Rover (mit seltsamen Schreibweisen)
  3. Sie haben oft kein großes Netzwerk in den meisten Fällen der einfachen Fakes weniger als 50, fast immer unter 250 . Vor allem handelt es sich so gut wie immer Freemium Profile. Sie erkennen das daran, dass das Premium Zeichen fehlt. Auf Xing ist meist kein Portfolio angelegt oder nur die 3 Bilder des Freemium-Accounts (meist wieder Stockfotos)
  4. Die persönlichen Angaben sind entweder wenige oder sehr verdächtig. Zum Beispiel  ‚Ich entwickle im C# seit 20 Jahren‘. Wenn Sie ITler sind oder Personaler und mit Software-Entwicklung zu tun haben, dann wissen Sie, das stimmt nicht: C# wurde im November 2005 veröffentlicht.
  5. Sie sind sehr häufig gerade erst beigetreten und Mitglied oder schon sehr lange Mitglied und haben sehr wenige Kontakte. In LinkedIn ist das Eintritt
    sdatum leider nicht für andere ersichtlich. Aber in Xing finden Sie es ganz unten unter Profil – sie werden auch sehen, dass es meist wenige Profilbesuche gibt, also ein Zeichen für geringe soziale Interaktion.


Ein aktuelles, praktisches Beispiel mit Lösung:

1.) Nicht jede Kontaktanfrage annehmen und wachsam sein

Sie können mit der Google Bilder Suche jedes Bild durch Google im Web prüfen lassen. Hier ein Beispiel – dieser Fake-Profil User hat sowohl Katrina Collier von Winning Impression als auch mir eine Kontaktanfrage geschickt – sieht oberflächlich unverdächtig aus.

Ein Fake-Profil direkt entlarven? Beispiel Banker

2.) Das Foto überprüfen mit der Google Bilder-Rückwärtssuche

Wenn man auf Google geht, die Bildersuche wählt, das Foto von LinkedIn entweder kopiert und dann in Google eingibt, oder einfach festhält und in die Google Bildersuche zieht und dort ablegt, dann findet in unserem Fall Google mit diesem Bild verbundene weitere Websites;

Ein Fake-Profil direkt entlarven? Beispiel Banker 3.) Mehr zur Google Bilder-Rückwärtssuche finden Sie hier

Die erste ist bereits ein Volltreffer: die richtige Identität zu diesem Bild:
Ein Fake-Profil direkt entlarven? Beispiel Banker

4.) Be social, schützen Sie auch andere!

Auch Katrina Collier hat von diesem ‚Oliver Helm‘ eine Anfrage bekommen und ihn gemeldet. Sie hat dies auf LinkedIn Pulse gepostet (hier: Stop Connecting with Fake Profiles). Das Profil wurde gelöscht. Unbeirrt hat er wohl kurz danach ein neues Profil angelegt – und nur einfach die Bank geändert. Und hat nun viel mehr Kontakte als zuvor  (gefunden mit erneuter Bildersuche in Vorbereitung für diesen Blogartikel) …

Ein Fake-Profil direkt entlarven? Beispiel Banker

 

5.) Identitätsdiebstahl ist keine Bagatelle!

Deshalb: Bitte helfen Sie mit und melden Sie immer solche Profile, von denen Sie feststellen, dass sie nicht in Ordnung sind. Senden Sie den Link zum Originalphoto mit – und bewahren auch damit das System Social Media. Es macht auch Sinn, die betroffene Person von diesem Identitätsdiebstahl zu informieren (hier mehr zur rechtlichen Situation bei Identitätsdiebstahl

Auswirkungen auf das Recruiting: Screening

Es liegt auf der Hand, dass Sie sich als Recruiter nicht nur selbst schützen sollten, sondern auch Ihr Unternehmen. Denn was im persönlichen Bereich möglich ist, ist leider auch bei Kandidaten möglich. Selbst wenn es sich nicht um ein komplett gefälschtes Profil handelt, sondern nur um einzelne Punkte oder einen einzelnen Punkt im Lebenslauf: Es wird nirgendwo soviel getäuscht, getarnt, geschönt wie bei heutigen Bewerbungen – bewußt und unbewußt. Denken Sie auch daran, dass unsere Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung sich ganz wesentlich verändert hat, wir bewegen uns in einer viel ich-zentrierten Gesellschaft, in der Selfiemanie und Super-Heros zum Alltag gehören.

Sourcing Knowhow positiv nützen

Es ist unsere Aufgabe unsere Arbeitgeber und (Inhouse-)Kunden davor zu bewahren, hier die falsche Person einzustellen. Deshalb ist heute ein Screening ein Muss. Eine einfache Bildersuche wie oben und das einfache Googeln sind noch im legalen Bereich. Wie überall bei der Datensuche und Datenanalyse gilt auch beim Screening (der Überprüfung einer Person) der Persönlichkeitsschutz.  Und hier ist nicht alles was möglich ist, auch erlaubt. Screening muss man lernen, es ist weit mehr als das Referenz-Einholen (und das unterliegt auch schon Datenschutzregeln!). Aber es ist auch viel zuverlässiger, da (siehe Bildersuche) das Web selten etwas vergisst (wenn man nicht aktiv das ‚Recht auf Vergessen‘ – siehe hier bei Wikipedia geltend macht).

Unser Ratschlag:

Absolut keine Kontaktanfrage ungeprüft annehmen! Sie könnte sogar im Namen eines Freundes oder Freundin geschehen. Helfen Sie auch anderen zu erkennen und sie vor Schaden zu bewahren.

HAPPY RECRUITING!

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