Die Active Sourcing Tool Time auf der Messe Zukunft Personal richtete sich an Active Sourcing Praktiker und solche, die es werden wollen. In diesem Blogartikel fassen wir die Session zusammen, die in der Blogger Lounge am Donnerstag, den 20. Oktober stattfand. Sie finden im Text auch die Fragen, die gestellt wurden und die Antworten. Die begleitenden Charts sind zur Ansicht beigefügt –  Sie können diese auch als Pdf-Datei auf Anfrage erhalten.

Übersicht durch die Active Sourcing Tool Time

Die diesjährige Session sollte einen Überblick geben und neue Möglichkeiten bzw. Anregungen bieten, welche Wege Active Sourcing Praktiker beschreiten können, um sich zu verbessern. Die Tools, die wir hier aus den mehreren hundert kostenlosen und kostenpflichtigen Sourcing Tools ausgewählt und vorgestellt haben, geben unsere Erfahrung wieder und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Auf der Zukunft Personal 2015 haben wir uns dagegen mit dem Thema Active Sourcing Tools – ein Meinungsbild von der Zukunft Personal #zp15 befasst – den Blogartikel und Slides mit der Zusammenfassung der Meinung der Anwesenden finden Sie hier

Das One-Size-Fits-All-Tool gibt es nicht!

Da nicht jedes Tool alles kann, haben wir uns auf die Tools konzentriert, die in den jeweiligen Arbeitsstufen des Active Sourcing Prozesses  (im Weiteren “Sourcing Workflow” genannt), die jeweils größte Unterstützung bieten kann. Hierbei ist auch festzuhalten: Je nach Branche, aber auch je nach Funktion, kann ein Tool trotz dieser Vorauswahl ausgesprochen hilfreich – oder völlig unwirksam sein. Doch gilt vom Prinzip, dass jedes Tool nur so gut ist wie der User, der dieses Tool nützt bzw. versteht und anwendet. Das One-Fits-All-Tool gibt es auch im Prozess des Sourcings nicht.

Die 4 Stufen des Sourcing Workflows

Recruiting und Active Sourcing Prozesse unterscheiden sich wesentlich, im Inhalt, Ablauf und dem Einsatz von Tools und Methoden.  Der Recruiting Prozess hat 6 Phasen, ist linear, während der Active Sourcing Prozess iterativ ist und aus 4 Phasen besteht:

1. Vorbereitung

  1. Die beste Vorbereitung ist nicht mit einer Anzeige und den Keywords dieser Anzeige zu operieren, sondern ein auf das Sourcing und den Sourcing Workflow abgestimmtes Job Profile zu arbeiten. Dieses ist – wie eine Anzeige – meist nicht vorhanden und muss in einer Rücksprache mit dem Fachbereich erstellt werden. Alle Keyword-Tools sind hier zusätzlich hilfreich. Kein Tool kann aber die Professionalität und Menschenkenntnis eines Recruiters ersetzen. Aus diesem Grund vertreten wir die Meinung, dass ein Praktikant oder Student ohne Ausbildung nicht erfolgreich sourcen kann und zufällig findet.

  2. Durch Tests und Prüfungen sollte vor dem Festlegen der Tools geklärt werden, auf welchen Plattformen sich die (meisten) und besten Talente aufhalten. Tools für das “Talent Mapping” können hier helfen.

  3. Um dies festzustellen darf niemand heute sich mehr nur auf Profile verlassen. Profile werden heute nicht mehr als Lebensläufe gesehen, sie unterliegen auch nicht den Regeln eines Lebensläufe. Heute hat jeder mindestens 3 Social Media Profile, aber gepflegt wird meistens nur eines – und das ändert sich ständig. Deshalb ist oberste Pflicht eines Profi Sourcers, Datenspuren zu lesen und sich in die Lage zu versetzen, die sogenannte “Digital Body Language” zu lesen. Tools, die helfen mehrere Social Media Profile zu finden wie das kostenlose Chrome Browser Add-On Prophet  (mehr zu diesem Tool finden Sie hier) sind sehr hilfreich.

  4. Es gibt 21 Active Sourcing Methoden – (mehr dazu in unseren Sourcing Praxis-Trainings der Intercessio Academy). Diese alle in einer einzigen Suche anzuwenden, ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen und wenig effizient. Aber vise-versa ist es heute unklug nur ein paar Keywords in die Suchmaske der XING “Erweiterten Suche” oder den “Talentmanager” einzugeben und hoffen, dass man auf diese Art und Weise echte Talente gezielt finden und gewinnen kann. Es ist jedem anzuraten, zu lernen Suchmaschinen gezielt zu steuern und zu erkennen, wie man in welcher Plattform mit welchem Tool operieren kann.

2.   Finden

  1. Talent Mining ist die hohe Kunst verschiedene Tools und Methoden in verschiedenen Plattformen so zu kombinieren, dass man möglichst alle potentiell passenden Kandidaten findet. Das besondere Ziel ist hier: Zuerst möglichst die Grundgesamtheit der besten Talente zusammenzutragen und dann die besten bzw. passendsten potentiellen Kandidaten geschickt herauszufiltern.

  2. Ein Praxis-Ratschlag: Dort, wo zu erwarten ist, dass es nur wenige, passende und interessierte Talente geben wird sollte man die Faustregel beachten: Wer nur ein Teil der Grundmöglichkeit durchsucht, verliert möglicherweise die besten Talente!

  3. Ebenso gilt: Wer nur ungefähr sucht, wird nur ungefähre Ergebnisse haben, da er nicht das richtige Bild eines passenden Kandidaten vor Augen hat und sich schwer tut, diesen direkt zu erkennen.

  4. Wer zu früh filtert, verbaut sich selbst den Weg, nachträglich zu erkennen, warum die Suche nicht oder schlecht funktioniert hat. Kluge Sourcer trennen deshalb den Identifikations- von dem Findeprozess.

3.  Identifizieren bzw. Filtern und Selektieren.

  1. Es ist schön, die Wahl der Qual zu haben. Aber man kann eigentlich nur Filtern, wenn man genug Auswahl geschaffen hat. Eine besonders wichtige Erfolgskomponente ist, die Systematik während der Filterung wie mit einem Computer-Tomographen. Das heißt im Grunde, gibt es nur zwei Filter-Methoden: entweder filtert man durch Boolesche Befehle-Keyword Kombinationen oder durch Anwenden der Filtermöglichkeiten der Tools. Je buchhalterischer man überwacht, welche Schritte welche Ergebnisse erbringen, um so sicherer kann man sein, auch alle möglichen Talente gefunden zu haben.

  2. Fast alle Findetools bieten Filtermöglichkeiten in den Suchmasken: XING Talentmanager, LinkedIns Recruiter oder Talentwunder. Hierbei ist es absolut wichtig zu beachten, dass die Zuordnung zu den jeweiligen Kästchen ebenso systematisch verändert werden sollte. Einfach zu glauben, dass die Suchmaschine alles Daten eines Profils wirklich einem Kästchen zu ordnet ist genau ungenau wie zu meinen, dass jeder sein Profil akurat mit den richtigen Begriffen an der richtigen Stelle ausgefüllt hat.

  3. Die kluge Nutzung von Tools im Rahmen eines disziplinierten Sourcing Prozesses leichtert das Finden und Identifizieren, aber ersetzt einen professionellen Workflow nicht!

4.  Kontaktieren, Gewinnen und Pflege eines Talent Pools

  1. Eine wertschätzende und response-orientierte Ansprache geht nicht per Autopilot und hängt von den Informationen ab, die man vorher über die Talente gesucht und gefunden hat. Ein Beispiel: Wenn man sieht, dass auf dem Facebook Profil steht, dass ein potentielle Kandidate in den Urlaub geflogen ist, kann diesen gezielt erst nach seinem Urlaub kontaktieren. Und so vermeiden, auf eine Antwort zu warten und verliert diesen Kandidaten nicht.

  2. Alle Tools, die eine Personalisierung der Ansprache und Kommunikation ermöglichen, sind heute entscheidend. Zum Beispiel Tools, die persönliche Email-Adresse finden oder individuelle Websites. Oder andere Social Media Accounts. Hier ist auch wichtig, dass man elegante und professionelle Messages verschickt. Sollte man Links zum Beispiel zu Firmeninformationen verschicken, leisten Linkkürzer ganze Arbeit dabei, professioneller aufzutreten. Allen voran hilft bit.ly, für das es auch eine praktisches Chrome Browser Add-On gibt.

  3. Wenn das Tool obendrein in der Lage ist, einfach nur einen Link zu einem Kontakt zu speichern und damit eine Talent Pipeline oder sogar einen Talent Pool für diejenigen Kontakte aufzubauen, die noch keine Bewerber sind (und damit im ATS gespeichert werden können), aber wiedergefunden werden sollen, sind diese Tools eine große Arbeitserleichterung. Ein erstes Tool hierzu ist Hello Talent von Talentsoft, dass es sogar für 2 Projekte pro User in einer kostenlosen Version gibt.

Und hier die Präsentation der Session mit integrierter Besprechung

Fazit: Es geht um das praktische und kluge Orchestrieren von vielen Tools!

Wir fassen die Informationen der Active Sourcing Tool Time zusammen: Es ist sehr wichtig, zu verstehen, dass der Active Sourcing und der Social Recruiting Prozess sich grundsätzlich unterscheiden (mehr hier Active Sourcing und Recruiting – wo ist der Unterschied?). Denn alle Tools wurden für einen bestimmen Zweck gemacht. Wer also den Workflow eines Recruiters durchführt, aber Active Sourcing Tools einsetzt, wird nur zufällig erfolgreich finden, identifizieren und ansprechen. Wirklich gezielt und effizient kann man seinen Sourcing Prozess nur verbessern, wenn man die jeweiligen Tools richtig einsetzt und damit mit den einzelnen Schritten eines Sourcing Workflows orchestriert.

HAPPY SOURCING!

    Hat Ihnen dieser Blogbeitrag gefallen?
    Hier können Sie sich in die Liste für Blogupdates eintragen:

    Mit dem Absenden des Kontaktformulars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten zur Bearbeitung Ihres Anliegens verwendet werden (Weitere Informationen und Widerrufshinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung).