Wie läuft der professionelle, erfolgreiche Active Sourcing Prozess ab?

Barbara Braehmer
7. Februar 2018
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PROFIS

Der Active Sourcing Prozess findet im Wesentlichen online statt. Aber das Medium Internet ist nur ein Abbild der realen Welt. Wer gezielt qualifizierte Talente Suchen und Finden möchte und sich nicht nur mit irgendwelchen ungefähr passenden Kandidaten zufrieden geben möchte, der sollte seine Online-Suche nicht nur speziell für dieses Medium sehr gut planen, sondern auch professionell durchführen. In diesem Blogartikel erklären wir Ihnen, wie der heutige moderne, professionelle Active Sourcing Prozess ablaufen sollte.

Active Sourcing ist eine digitale Kompetenz

Wie bei allen digitalen Berufen bestimmen die Tools und deren Nutzung den Erfolg. Die digitalen Tools im Active Sourcing sind algorithmische Suchmaschinen. Heute gibt es keine Keyword-Suchmaschinen mehr. Alle heutigen Suchmasken (z.B. die von Google, Linkedin, XING) nützen sehr komplexe sogenannte Semantische Algorithmen. Das bedeutet, dass aktuelle Suchmaschinen, wenn man Keywords eingibt, nicht mehr wie noch vor 4 Jahren nach Keywords auf Profilen oder im Web suchen, sondern aus der Eingabe ähnliche Profile „errechnen“.

Suchalgorithmen sind Tools, die so gut sind, wie der User!

Man kann Semantische Suchmaschinen nicht durch viele Keywords, die man mal so ungefähr aneinanderreiht steuern. Und damit hoffen, dass sie dann doch wieder alle diese eingegebenen Keywords suchen oder von alleine „Ähnlichkeit“ erkennen. Das tun sie nicht! Das wäre ungefähr so, wie wenn man sich in der geschlossenen Garage in einen Tesla setzt und seinem (durch einen Algorithmus gesteuerten) Auto mitteilt: „Fahr los und fahre mich von Hamburg nach Stuttgart in 2 Stunden.“ Und dann hoffen, dass er das Unmögliche erfolgreich tut – und sogar selbst auf die Idee kommt, das Garagentor vorher zu öffnen. Auch ein Algorithmus ist ein nur Tool – und er ist letztlich nur so gut wie der User dieses Tools.

Professioneller Sourcing Prozess versus Intuition

Algorithmen und damit auch Suchalgorithmen haben – wie alle Tools – Grenzen, die abhängig davon sind, für was sie gemacht wurden. Keine der gängigen Semantischen Suchalgorithmen sind für komplexe Suchanfragen von deutschsprachigen Active Sourcern geschrieben worden! Sie wurden alle für einfache, englischsprachige Suchen erstellt. Wer in eine solche Suchmaschine nur irgendwelche deutsche-englische Keywords in beliebiger Reihenfolge eingibt, wird schnell feststellen: Das funktioniert so nicht gut.

Algorithmen sind weit von perfekt oder „intelligent“

Algorithmen haben besonders aus Sicht des gezielt suchenden Active Sourcers technische und damit auch sprachliche Limitationen. Der Profi-Sourcer kennt diese und vermeidet sie. Wer einfach intuitive Suchanfragen stellt, wird dann nur zufällig finden. Die Intuition ist der Feind des gezielten Findens von echten Talenten mit bestimmten Eigenschaften und Skills.

Wer gezielt Talente FINDEN will,
muss gezielt SUCHEN!
 

Der effiziente Sourcing Prozess basiert auf Systematik

Ein so logisch funktionierendes, komplexes Tool wie einen Suchalgorithmus kann man nur mit Logik steuern. Moderne digitale Tools wie Suchalgorithmen bleiben in ihrer Entwicklung nie stehen. Sie entwickeln sich ständig weiter und  sie werden aktiv gewandelt und umprogrammiert. Suchalgorithmus-Experten sagen, dass Google zum Bespiel pro Land ca. 1000 Updates pro Jahr durchführt. Wenn Sie ihre Suchanfragen nicht stetig anpassen, ist das wie bei einem Spielautomat, den der Anbieter immer wieder umprogrammiert. Wenn Sie dort die falschen, alten Jettons einwerfen und/oder die falschen Tasten drücken, kommen Sie dem Ziel des Gewinnens keinen Millimeter näher. Es reicht also nicht, verschiedene Active Sourcing Methoden (hier mehr zu den 9 wichtigsten Active Sourcing Methoden – kurz erklärt [Infographic])zu kennen und auszuprobieren. Sonder es geht um die kluge, systematische Suche.

Profi-Sourcer verhalten sich wie Softwareprogrammierer

Wie auch Programmierer, die Teile ihres Softwareprogramms immer wieder prüfen, müssen Sourcer ihre Strings und Suchanfragen in den jeweiligen Tools vorher testen, bevor sie tatsächlich mit der Suche starten. Profi-Sourcer haben den Vorteil, sie können nicht nur in der Ergebnisliste direkt technische Probleme sehen und die Limitationen der Algorithmen erkennen. Sondern sie haben auch die Erfahrung und das Knowhow, wie man diese Einschränkungen umgehen kann. Deshalb brauchen sie deutlich weniger Tests, weil sie einfach gelernt haben, was wie funktioniert und was nicht.

Anfänger sollten dieses Knowhow durch Systematik ersetzen. Ohne systematische Tests kann man in einer sich ständig ändernden Umgebung und limitierten Tools keine Abweichungen von einem gewünschten Ergebnis erkennen.

Einfach mal so irgendwie eine Suchanfrage stellen, heißt, man findet dann auch nur – einfach mal so irgendwie – rein zufällig.  Das Analoge gilt für das Herumprobieren  – es hat nichts mit systematischem Testen zu tun. Es wird durch Emotionen, Vermutungen und Intuitionen beeinflusst und diese haben im professionellen Sourcing Prozess keinen Platz.

Der 7 Stufen Active Sourcing Prozess - by Intercessio

Zum Download der Infographic auf das Bild klicken


Die 7 Stufen des professionellen Sourcing Prozess 

Im ERSTEN SCHRITT des Sourcing Prozesses sollte man die SOURCING STRATEGIE festlegen. Zum Beispiel indem man überprüft, ob man überhaupt durch Active Sourcing für die jeweilige offene Stelle (die passenden) Talente finden kann. Manche Berufsgruppen sind nicht online oder wie Cyber Security Experten verwischen ihre Online Spuren bewußt  – hier mehr: Nein – Active Sourcing ist KEINE Allzweckwaffe! 

Dann geht es im zweiten Schritt an die PLANUNG DER UMSETZUNG. Während das Personalmarketing für aktive Kandidaten erstellt wird, sollte man zu Beginn des Sourcing Prozesses prüfen, ob man potentielle, also passive Kandidaten anhand der relevanten und gewünschten Skills überhaupt online identifizieren kann. Nicht selten versuchen Sourcer nach Skills zu suchen, die zwar auf den Profilen stehen, aber die eine Suchmaschine aufgrund ihrer technischen Limitationen nicht finden kann.

Wenn man feststellt, dass man die wichtigsten Skills auch finden kann, sollte man im dritten Schritt die SOURCING PROZESS VORBEREITUNG starten. Dies geschieht am besten in dem man mögliche Suchbegriffe sammelt und testet, die Wirkung der Kombinationen in den unterschiedlichen Suchmaschinen überprüft und zum Beispiel für die Zielgruppe oder Candidate Persona passende Ansprachetexte entwirft.

Um dann tatsächlich im vierten Schritt in die Anwendung überzugehen und das FINDEN zu starten. Das heißt, die ersten Suchanfragen-Ergebnisse auf mögliche Talente zu prüfen und herauszufinden, wo bzw. wie man die meisten und besten Talente findet. Ziel ist es keine Zeit in z.B. Social Media Portalen zu verbringen, die keine erfolgsversprechende Sources sind, weil die besten Talente aktuelle Profilinformationen an anderer Stelle haben.

Die genaue Prüfung, also die IDENTIFIKATION sollte aus Effizienzgründen und um sich nicht zu Verzetteln, im fünften Schritt dort statt finden, wo man die meisten passende Talente findet. Jetzt geht es darum, die Skills und Eigenschaften – soweit man sie online erkennen kann – konkret zu überprüfen. Ideal ist es auch gleichzeitig die Ansprachemöglichkeiten zu identifizieren wie Telefonnummern oder Email-Adressen.

Im sechsten Schritt ist die KONTAKTAUFNAHME in passender Form wichtig. Es wird z.B. hier bei Personalberatungen und Personaldienstleistern viel zu häufig zum Telefonhörer gegriffen und unnötig Druck aufgebaut (manches Mal macht es Sinn, den Anruf per Nachricht anzukündigen oder abzustimmen). Umgekehrt übersehen hin und wieder Active Sourcer der Unternehmen, die Chance, dass das Telefon der unkomplizierte, direkten Weg sein kann. Gerade bei bestimmten Berufen, die derzeit viele Sourcing Nachrichten erhalten, kann das Telefon super retro sexy und das erfolgreiche Mitte zur Kontaktaufnahme sein!

Im besonders kritischen und völlig unterschätzten siebten Schritt kommt es auf die richtige SOURCING KOMMUNIKATION an. Heute antworten immer mehr Kandidaten erst auf den ersten oder zweiten Reminder. Eine Ursache dafür ist, dass wir alle unter einem Information-Overload leiden. Eine anderer ist dass potentielle, passive Talente so die Ernsthaftigkeit der Kontaktaufnahme überprüfen. Oft garantiert nur diese Nachhaltigkeit den Erfolg einer Stellenbesetzung durch Ihre Sourcing Kommunikations Bemühungen.

Fazit

Active Sourcing war vergleichsweise einfach als uns noch Keyword Suchmaschinen zur Verfügung standen. Diese haben sich nicht wie die heutigen Semantischen Suchalgorithmen ständig weiterentwickelt. Die heutigen komplexen Suchalgorithmen-Tools verändern sich dagegen stetig – und das noch nicht mal linear. Eine solche komplizierte Situation erfordert Anpassungsbereitschaft und eine systematische Arbeitsweise bei erfolgsorientierten Sourcern, die nicht nur gezielt Talent finden, sondern auch erfolgreich Stellen besetzen möchten. Denn während im Recruiting Prozess Intuition eine Stärke ist, ist dies das größte Erfolgs-Hindernis im Sourcing Prozess. Denn diese digitalen Tools kann man nur mit Logik und Systematik steuern. Vermutungen, Emotionen und Hoffnung haben im Mindset eines Sourcing-Profis keinen Platz.

HAPPY SOURCING!

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2018-04-20T08:17:29+00:00

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