Das Märchen vom erfolgreichen, intuitiven Active Sourcing

Barbara Braehmer
10. Februar 2015
ADVANCED
BEGINNERS
PROFIS

Für die Profis im Active Sourcing ist es klar: Suchmaschinen sind Programme und damit Maschinen, die man zur Datenauswertung steuern kann – auch zur Datenanalyse in den Social Media Portalen. Das Steuern ist etwas, das bei unkomplizierten Maschinen einfach geht. Nur leider ist das Herzstück einer Suchmaschine, sein Programm, der Algorithmus, ganz und gar nicht ‚einfach‘. Und sie sind geheim sowie gleichzeitig der Lebensquell der Besitzer. Aber dennoch sind sie der einzige Zugang zum Web und den Daten – und steuerbar, da kluge, erfahrene Sourcer das systematisch getestet haben.

Sprechen wir also über das Recruiting bzw. Active Sourcing und den Ehrgeiz, Positionen mit guten und passenden Kandidaten besetzen zu wollen, darf der erfolgsorientierte Active Sourcer die Ergebnisse einer Suchmaschinen nicht als gottgegeben hinnehmen. Und richtig ist: Egal in welchem Portal oder wo im Web man sucht: Suchmaschinen sind nicht für Recruiter geschrieben. Will man sie für das Active Sourcing einsetzen, muss man sie verstehen und steuern lernen.

Und alles andere ist ein Märchen:

Ein bißchen Storyfying, etwas Fabulieren plus ein Körnchen Wahrheit

Es war einmal das große weite Land genannt Web. Dort lebte der König Hiring Manager, mit dem Spitznamen ‚Kunde‘, und dieser träumte vom Besitz des goldenen Talentgrals – am liebsten hätte er sogar zwei, drei davon. Er beauftragt seine Ritter, ihm diesen Talentgral zu suchen und zu finden. Diese entdecken schnell: um zum Talentgral zu kommen, muss man den gefährlichen Drachen Xing und Xings Sohn Suchmaske bezwingen, die sich in den Weg stellen. Das findet keiner dieser Ritter besonders interessant.

Unter den Rittern ist auch der Prinz Recruiter. Dieser ist schlau und ein echter Prinz. Deshalb hat er einen Knappen, den aktiven Searcher, und den schickt er los, um den Talentgral zu finden und zu bringen. Der Knappe Searcher ist leider völlig unerfahren, er hatte bisher nur mit Einhörnern zu tun und die sind sehr friedlich und handzahm. Er weiß deshalb weder, was ein Drache ist, noch kennt er einen Talentgral. Er sucht und sucht und sucht. Und damit er Erfolg melden kann, bringt er dem Prinzen Recruiter zur Auswahl 30 Talentgral ähnliche Gefäße und erzählt ihm, wieviele Untiere er dafür angeblich bezwungen hat und wie schwer das war.

Der Prinz Recruiter ist zufrieden, beeindruckt von der Suchaktion. Er wählt die beste dieser Talentgral-Attrappen aus und bringt sie zum König. Dieser ist hocherfreut, denn er hat schon so lange auf seinen Talentgral gewartet und endlich ist er da. Nach 3 Monaten stellt der König allerdings fest, dass es nicht der Gral war, weil das Gold abblättert. Da beschließt er den fremdländischen Samuraj Sourcer zu holen und bittet ihn, ihm den echten Gral zu besorgen. Der Samuraj Sourcer erkundigt sich, wo der Gral ist, findet dabei heraus, wie der Drache Xing zu zähmen ist, schließt Freundschaft mit Xings Sohn Suchmaske und kommt kurze Zeit später mit 3 Talentgralen zum König Kunde.

Sie können jetzt zwischen zwei Enden wählen:

Der König entläßt den Prinz Recruiter und ernennt den Samuraj Sourcer zum Ritter und setzt ihn sofort an die Stelle des Recruiter  ein …und alle (bis auf den Recruiter) lebten bis an ihr Lebensende glücklich und zufrieden.

oder
Der Prinz Recruiter bittet den Samuraj Sourcer ihm beizubringen, wie man Drachen zähmt … und alle – auch der Prinz Recruiter – lebten bis an ihr Lebensende glücklich und zufrieden.

Active Sourcing ist professionelles Suchmaschinen-Steuern

Jede Maschine – und das gilt auch für Software wie Recruiting Tools – ist nur so gut wie der Anwender. Die erste Generation der Suchmaschinen des Internets -(also bis vor 3 Jahren als die Keywordsuche abgeschafft und die Semantische Suche eingeführt wurde) funktionierte noch intuitiv mit der Keywordsuche: Einfach den Suchbegriffe eingeben und die Suchmaschine startete. Sie suchte und fand schnell genau die Seiten, die dieses Wort enthielt. Dies galt für alle Portale: Xing, LinkedIn und auch Google usw. Damit ist heute Schluss: Es gibt keine Keywordsuche mehr – also kann dieses Prinzip nicht funktionieren, auch nicht aus Erfahrung oder intuitiv. Man findet – aber eben nur zufällig. Aber nicht gezielt. (Mehr dazu in unserem Blogartikel: Die Boolesche Suche ist tot, es lebe die Semantische Suche)

Aber bereits zu diesem Zeitpunkt entstand bereits ein weiteres Grundproblem: Viele waren und sind sich nicht bewußt, dass sie versuchen bei einer Xing Kandidatensuche mit der Suchmaske dieser Maschine, also eine MASCHINE zu steuern. Und diese sind heute auch bei Xing und LinkedIn andere, semantische hochentwickelte Suchmaschinen, genau wie Google. Und – wie Google – sind diese Maschinen auch in diesen beiden Social Media Portalen nicht für Recruiter oder Sourcer gemacht worden, teilweise wurden sie sogar nicht einmal für die deutsche Sprache angepasst.

Suchmaschinen würfeln nicht – aber Menschen

Daraus müssen wir 3 Dinge ableiten:

  1. Suchmaschinen sind hochkomplexe Programme
    Wer eine Maschine benützt, sollte besser die Betriebsanleitung vorher lesen und dieses ‚Programm‘ verstehen. Oder würden Sie ohne Führerschein mit einem Ferrari über die Autobahn fahren? Und genau das sind diese modernen Suchmaschinen: Ferraris im Vergleich zu den Maschinen erster Generation.
  2. Suchmaschinen haben keine eigene Intelligenz
    Sie sitzen am Steuer. Und das ist eine Maschine – diese hat keine eigene Intelligenz. Wenn ein Fehler passiert und Sie schlechte Ergebnisse haben, dann sind Sie als Maschinenführer schuld. Es ist nicht die Maschine, die schuld ist und es sind auch nicht die Kandidaten, die ‚angeblich‘ schlechter wer
    den. Und nur ein schlechter Social Recruiter beklagt, dass die Profile nicht richtig ausgefüllt sind. Das gehört zu Social Media wie Super-Benzin in den Tank eines Ferraris. Wenn Sie mit Ihrem Ferrari ohne Führerschein einen Unfall verursachen, dann ist weder der Ferrari noch die Straße schuld.
  3. Suchmaschinen wurden alle nicht für Recruiter oder Sourcer geschrieben! 
    Xings und LinkedIn Suchmaschinen oder Google wurden alle nicht für Recruiter oder Sourcer geschrieben. Und in jedem Gelände gelten unterschiedliche Regeln. Bezogen auf unser Ferrari Beispiel: In England fährt man auf der linken Straßenseite, kontinental rechts. Es gibt keine Bringschuld der Hausherrn der Social Media Portale, wie man sich in ihrer Plattform verhält. Sondern es besteht eine Holschuld und eine Akzeptanz, dass sie jeder Zeit die Algorithmen ändern und weiterentwickeln können. 

Wieso glauben so viele beim Active Sourcing an die Intuition?

Bleiben wir beim Storyfying: Kennen Sie den Bestseller „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Barbara und Alan Peace? Sie beschreiben schön, dass Männer mehr als ungern anhalten und nach dem Weg fragen:

‚Seit Jahrtausenden nutzen Männer ihr räumliches Vorstellungsvermögen, um Beute aufzuspüren und Ziele zu treffen. In dieser Zeit lernten die Männer, sich zu orientieren und ihre Schritte aus dem Gedächtnis zurückzuverfolgen, so dass sie auch in weit entfernten Gebieten jagen konnten und trotzdem wieder nach Hause fanden. Wenn Männer zum ersten Mal ein fensterloses Zimmer betreten, kann jeder Dritte Norden mit einer Abweichung von maximal 90 Grad anzeigen, bei den Frauen ist es dagegen nur eine von fünf. Leider kann man diese Fähigkeit nicht lernen: Entweder weiß man, wo Norden ist, oder man weiß es nicht. Die plausibelste Erklärung für diesen Orientierungssinn ist, dass Männer in der rechten Gehirnhälfte eine höhere Konzentration an Eisen haben, dank der sie den magnetischen Nordpol spüren können. Die gleiche Fähigkeit nutzt ein Mann auch, um seinen Sitz im Fußballstadion wieder zu finden, sein Auto in einem mehrstöckigen Parkhaus aufzuspüren oder an einen Ort zurückzukehren, an dem er erst einmal zuvor war.‘ – Zitat Seite 74 

Seit der Einführung der Navigationsgeräte beobachtet man überall auf der Welt, dass diese es auch nicht leicht mit männlichen Fahrern haben, die ihrer (meist weiblichen) Stimme wenig vertrauen und Ratschläge nur bedingt annehmen.  Es ist durchaus im Möglichen, dass Suchmaschinen solche Maschinen sind, bei denen (besonders männliche) Bediener nicht gern nach dem Weg fragen.

Was ist dann mit den Sourcerinnen und ihrer (weiblichen) Intuition?

Gilt das dann auch für die intuitiven Active Sourcerinnen?  Dann wohl eher anders: Loriot hat einen Erklärungsvorschlag zu zufällig richtigen und gefühlten Lösungen und der weiblichen Intuition in Bezug auf Technik:

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Erfolgreiche, effizient arbeitende Active Sourcer oder Sourcerinnen überlassen nichts dem Zufall, sie fragen nach dem Weg. Sie finden gezielt Talente und sprechen deren Sprache, weil sie die Daten, die sie finden, lesen und interpretieren können. Und ganz nebenbei bemerkt: Auch um Profile zu lesen, braucht man Recruiting Erfahrung, das kann auch der Student und die Studentin nicht intuitiv (hier unser Blogartikel: Umparken im Kopf: Warum Social Media Profile keine Lebensläufe sind).

Fazit:

Professionelles Active Sourcing ist so wenig autodidaktisch und intuitiv wie das Autofahren. Wer Active Sourcing einfach so versucht, gefährdet ununterbrochen die anderen: Die Fehlerliste ist lang und das Ergebnis fatal: Viel zu viele Online-User werden von viel zu vielen ‚Sourcern‘ im Gießkannenprinzip ohne Wertschätzung kontaktiert. Das Prinzip: Kontakt-Frequenz steigern, um mehr bessere Kandidaten zu erhalten ist ein Trugschluss.

Deshalb leiden beide Seiten: Talente und die Sourcing-Kollegen, die sich Mühe geben, die richtigen Personen richtig anzusprechen. Dabei ist gutes und erfolgreiches Active Sourcing kein Hexenwerk. Und bei Weitem kein so großes Geheimnis wie der Google Algorithmus. Tausende Profi Sourcer in der USA und UK können es heute schon und haben es professionell gelernt. Wie auch Sie das  lernen können, lesen Sie hier in unserem Blogartikel: Wie lerne ich effektives Active Sourcing

HAPPY SOURCING!

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