Ich bin ein Solo-Recruiter – wie sichere ich meinen Erfolg?

Barbara Braehmer
2. April 2018
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In der breiten Recruiting Landschaft wird oft vergessen, welche wichtige Rolle Solo-Recruiter einnehmen. Sie arbeiten nicht nur in Projekten und übernehmen ganze Recruiting Mandate, sondern springen als Interims-Recruiter ein, übernehmen entweder einzelne Recruiting Aufgaben, werden als Feuerwehr eingesetzt und schulen und coachen dabei auch noch die Mannschaft der Auftraggeber. Sie sind nicht selten eine Sonderform des 360-Grad-Recruiters. In diesem Blogartikel wollen wir zusammenfassen, welche Voraussetzungen ein Solo-Recruiter Business haben muss, damit es erfolgreich ist.

Was ist ein (erfolgreicher) Solo-Recruiter?

  • Erfolgreiche Solo-Recruiter haben eine eindeutige Spezialisierung und positionieren sich entweder in einer Nische und/oder mit einer speziell erfolgreichen Dienstleistung wie Telefon-Research oder Active Sourcing Diensten.
  • Sie sind meist Persönlichkeiten, die alleine arbeiten.
  • Sie werden meist in Stundenpauschalen bezahlt, um Kandidaten für Ihr Unternehmen zu finden und zu überprüfen.
  • Ihre Rekrutierungsfähigkeiten konzentrieren sich im Einsatz bei und für Corporates auf die Einstellung. Wenn sie als Researcher für Personalberatungen arbeiten, ist ihr Auftrag erfüllt, wenn sie gute Kandidaten vorschlagen.
  • Sie besitzen zwar einen eingeschränkten Zugang zu Rekrutierungsressourcen wie eigenen Jobbörsen, Bewerber-Tracking-Systemen und Screening bzw. Sourcing-Tools, aber dafür umso mehr Knowhow im Doing wie z.B. ein professionelles Digital Mindset.
  • Sie können zwar durch die Einschränkung auf wöchentliche Stunden ihre Dienstleistung kaum skalieren – aber sie arbeiten sehr systematisch an ihrer Effizienzsteigerung.
  • Sie sorgen für ständiges Lernen und Knowhow-Verbesserung.
  • Sie pflegen ein riesiges Netzwerk  (online- und offline), um sich die Vertriebsarbeit zu erleichtern: Sie werden empfohlen und angefragt.

Die Vorteile ein Solo-Recruiter zu sein

Ein Solo-Recruiter zu sein, hat eine Menge attraktiver Vergünstigungen. Geringer Aufwand, viel Freiheit, die Möglichkeit zu wählen, wo sie arbeiten, keine Probleme, keine Kleiderordnung, kein Chef und volles Honorar. Diese und viele andere Vorteile locken eine beträchtliche Anzahl von Menschen in unser Business. Es gibt eine große Zahl von Coaches, die zusätzlich recruiteren, auch Experten in der Unternehmensberatung oder Personal-Diagnostik, übernehmen immer mehr Recruiting Aufträge. Die Zahl der selbstständigen Recruiter steigt unaufhörlich. Ich kenne eine große Zahl erfolgreicher Solo-Recruiter, die oft darüber gesprochen haben, wie einfach und für sie weniger stressig der Job ist.

Sie fühlen sich gut und sehen es als Vorteil, sich selbst gestellt zu sein. Sie erzählen von Vorteilen wie: Nicht mit Personal- und Kollegenproblemen umgehen oder seltsamen Organisationsregeln folgen zu müssen. Für sie ist die freie Einteilung der Arbeitszeit ein viel glücklicher Weg und die meisten erzählen auch, dass ihre Work-Life-Balance seit der Selbstständigkeit deutlich besser ist. In vielerlei Hinsicht ist dies wahr, aber es gilt leider nur für eine kleine Gruppe der sehr unabhängigen Einzelgänger, die Persönlichkeiten besitzen, die dazu neigen, auf eigene Faust glücklich zu sein und die es äußerst diszipliniert schaffen, die vertrieblichen Aufgaben, das Expertenwissen, die Administration und das Doing klug zu kombinieren.

Die Solo-Recruiter Fallstricke

Meine Erfahrung ist, dass die meisten Leute, die alleine arbeiten, sich in zwei Gruppen aufteilen. Leider ist es so, dass die größte Gruppe von denen, die es versuchen, innerhalb von etwa 12 Monaten versagen. Der Hauptgrund scheint zu sein, dass sie sich isoliert fühlen und nicht selbstmotiviert und diszipliniert genug sind, um konsequent auf die kritischen Aspekte ihrer Arbeit einzugehen. Das Multitasking ausgewogen und nachhaltig durchzuführen ist eine der größten Herausforderungen. Auch wenn es viele Vorteile gibt, gibt es genauso viele Fallstricke: Keine stetige Gehaltszahlung bei dennoch klaren Fixkosten, grenzenlose Ablenkungen, mögliche Isolation, Steuerzahlungen, administrative Aufgaben, hohe Anlaufkosten, fehlendes Feedback und fehlende Unterstützung.

Der größte Solo-Recruiter Fehler

Viele selbstständige, recruitierende Einzelunternehmer glauben törichter Weise, dass sie alleine arbeiten können und die gleiche Arbeitslast haben, aber nur den Vorteil genießen können, 100% der Honorare zu behalten. Das ist aber nur teilweise richtig. Fakt ist, dass sie neben ihrem normalen Arbeitstag als Personalvermittler, Researcher, Coach oder Berater nicht nur die Recruiting Aufgaben, sondern noch viele andere Tätigkeiten erledigen müssen. Buchhaltung, Einkauf, technischer Support, Abrechnung, administrative Aufgaben, selbst das Leeren des Mülleimers liegen jetzt in Ihren Händen.

Heute ist aber einer der größten Feinde der Solo-Recruiter die Digitalisierung – niemand kann diese alleine meistern, das ist unmöglich. Sie ist zu schnell, zu komplex und zu disruptiv. Die meisten Solo-Recruiter bleiben in ihrem Knowhow stehen. Professionelles Social Recruiting und Active Sourcing sind aber extrem digitalisierte Kompetenzen, die sich niemand einfach mal so im Internet oder in einem Buch anlesen kann. Selbst teure Tools ersetzen heute das Knowhow nicht mehr, da man lernen muss, sie zu benützen, denn sie sind nicht per se hilfreich. Heute erfolgreiche Solo-Recruiter haben es alle geschafft, ein Experten Wissen mit einem digitalen Mindset zu verbinden.

Erfolgstipps für Solo-Recruiter

1. Strategie gegen Taktik

Als Recruiting Solo-Entrepreneur haben Sie zwei wichtige Funktionen: der bodenständige Hands-on-MoneyMaker und der zukunftsorientierte CEO. Der Hands-on-Teil ist die Taktik von dem, was Sie tun (Recruiting, Marketing-Anrufe, Follow-up etc.). Die strategische Arbeit Ihres Unternehmens ist die umfassende Planung und Entwicklung (Leitbildentwicklung, neue Märkte zu erkunden, Steuerplanung, Marketingstrategie etc.), die entscheidend ist, wenn Sie ein solides Business haben wollen. Dieses Gleichgewicht ist nicht einfach zu erreichen und eine disziplinierte Zeitplanung für beides ist wahrscheinlich der beste Ansatz. Sich mit anderen Solo-Entrepreneuren mit passenden Schwerpunkten zusammenzuarbeiten ist auch eine Lösung wie den Telefon-Research auslagern oder einen Admin-Assistenten zu engagieren, der viele Routineaufgaben für Sie erledigt.

2. Solo-Recruiter brauchen einen Plan

Arbeiten von zu Hause aus ermöglicht Flexibilität und Freiheit, die die Arbeit für einen Arbeitgeber möglicherweise nicht hat. Aber Sie werden keine gleiche Struktur oder Richtlinien haben – Ihre Prozesse werden anders laufen. Ihr Erfolg ist also eine Frage des effektiven Zeitmanagements und der Selbstkontrolle. Es ist wichtig, Ziele wie Kontakt mit einer bestimmten Anzahl von potentiellen Kunden pro Tag und Arbeitsstunden pro Tag zu erreichen. Stellen Sie sicher, dass Sie auch immer mit Kandidaten im Kontakt bleiben – sie können Ihre Empfehler und zukünftigen Kunden sein! Sie müssen sich immer vor Augen führen, dass Sie nicht über die Ressourcen einer vollständige Firma verfügen. Deshalb ist gut, sich mit anderen Recruitern ständig auszutauschen oder einem Netzwerk beizutreten.

3. Solo-Recruiter müssen besonders auf ihre Einstellung achten

Vielleicht haben Sie schon einmal von dem Buch „Sie können sich den Luxus eines negativen Gedankens nicht leisten“ (ist leider nur in Englisch erhältlich hier der Link zu Amazon) gehört. Dieser Satz ist doppelt wichtig, wenn Sie alleine arbeiten. Als ich noch Solo Recruiter war, habe ich festgestellt, dass ich mich oft schuldig gefühlt habe, Dinge nicht machen zu können und darüber gestresst war, wieviel ich täglich nicht geschafft habe. Diese Gefühle haben eine lähmende Wirkung auf eine Persönlichkeit und führt schließlich dazu, wichtige Aufgaben zu verschieben oder gar zu vermeiden.

Wenn Sie anfangen, Ihren Kopf gegen die Wand schlagen, machen Sie unbedingt eine Pause. Wenn Sie merken, sie wissen etwas nicht, sprechen sie mit Gleichgesinnten, lassen Sie sich helfen und coachen oder gehen in ein Training. Aber tun Sie etwas, um die negative Spirale zu unterbrechen. Und arbeiten Sie diszipliniert an Ihren Achillesfersen wie Administration oder eigenes Lernen. Stoppen Sie diese Bemühungen niemals, sondern führen Sie einen Zeitplan ein, den sie auch erreichen können.

4. Solo-Recruiter brauchen ein starkes Netzwerk

Isolation ist ein großes Hindernis, wenn man alleine arbeitet, also muss man sich überlegen, wie man sie überwinden kann. Eine nahe liegende Idee ist es, sich mit anderen Rekrutierungsfirmen oder Einzelunternehmern zu verbinden, die Split-Business betreiben wollen. Sie können sich auch mit einigen lokalen oder nationalen Personalvermittlern in einem Netzwerk regelmäßig zusammensetzen, um Unterstützung und Feedback von Ihren Kollegen zu erhalten. Treffen Sie sich mit Ihren Kunden bzw. potentiellen Kunden – online ist wichtig, aber nicht alles! Wenn Sie nicht in einem Büro sind, in dem Sie sich mit Kandidaten treffen können, nehmen Sie sich einen halben Tag Zeit, um mit einigen von ihnen 30-minütige Mini-Interviews in einem lokalen Café zu treffen. Ebenso stellen Sie sicher, dass sie Schritt mit der Digitalisierung halten und besuchen Trainings und Events.

 


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Hier lege ich Ihnen das Sourcing Summit 2018 am 25.-26. April 2018 in München ans Herz – dort treffen Sie nicht nur viele Gleichgesinnte, sondern erhalten News und praktische Tricks zur Digitalisierung im Recruiting und Sourcing. Und – wenn Sie die Emailadresse von Henrik Zaborowski (einem sehr erfolgreichen Solo-Recruiter, der Ihr Vorbild sein kann) oder meine Email-Adresse herausfinden, dann erhalten Sie auf Anfrage

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5. Solo-Recruiter müssen Experten werden

Eine leistungsstarke Möglichkeit, eine blühendes Solo-Gewerbe zu schaffen, ist es, der Experte in einer engen Nische zu werden, die Sie leidenschaftlich mögen. Konfuzius sagte einmal: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ – Ganz so ist es dann wohl nicht, aber der Erfolg ist Ihnen sicher. Denn damit gehen Sie weg von der Überforderung eines „One-Man-Band-Generalisten“ zu einem „kompetitiven Boutique Nischenspezialisten„. Der 360-Grad-Recruiter ist für Recruiting-Einzelunternehmer keine gute Idee. Experten sind eher in der Lage, höhere Honorare auszuhandeln und sie werden empfohlen und angefragt, haben also deutlich geringeren Vertriebsaufwand. Sie können eine Nische wählen, die auf eine Branche oder spezifische Positionstitel basieren, aber sie muss wirklich eng sein, damit Sie der Experte werden.

Leider ist z.B. „IT“ eine viel zu breite Kategorie, „Softwareentwickler“ schon enger, aber z.B. „Java Developers“ sehr eng, schon fast zu eng. Der wichtigste Punkt ist, etwas auszuwählen, das eine vielversprechende Zukunft hat und von dem Sie eigentlich begeistert sind. Dies drückt aus, wer Sie als Persönlichkeit und als Profi sind und diese Kongruenz wird wahrgenommen, wenn sie authentisch ist. Sie werden mehr Placements machen und definitiv mehr Spaß dabei haben. Mark Twain sagte es so: „Das Gesetz der Arbeit scheint äußerst ungerecht – aber es ist da, und niemand kann es ändern: Je mehr Vergnügen du an deiner Arbeit hast, desto besser wird sie bezahlt.“

6. Solo-Recruiter müssen raus und sichtbar bleiben

E-Mail, Telefonate und Skype oder andere Online-Meeting Tools sind großartig, erleichtern die Arbeit und steigern die Effizienz, aber es gibt nichts, das das Treffen mit jemandem von Angesicht zu Angesicht ersetzt. Dieser Punkt ist extrem wichtig und es gibt viele gute Möglichkeiten, dies zu tun. Denn so kommen Sie besser auf Augenhöhe und schaffen sich gleichzeitig eine „Big Company“ -Präsenz und -Aura. Sozialisieren Sie sich also mit Experten und großen Unternehmen, indem Sie auf Events gehen – so bleiben Sie am Ball. Es gibt allerdings einige Hygienefaktoren, die Voraussetzung für Ihre Expertenposition und ihre Professionalität ist: Mit einer erstklassigen Website und gut gepflegten Social Media Präsenzen finden Ihre (potentiellen) Kunden und Kandidaten die richtigen Informationen über Sie in Google bzw. im Web. Sie investieren hier in Ihre Reputation und Glaubwürdigkeit.

FAZIT:

Es ist wie beim Autofahren – wer ständig zu den anderen sieht oder rückwärts orientiert ist, kommt nicht vorwärts. Deshalb machen Sie sich einen Plan und dann an die disziplinierte und konsequente Umsetzung. Denken Sie an die Skalierbarkeit Ihres Services: Können Sie Ihre Dienstleistung leicht erhöhen oder verringern, wenn sich der Markt verändert? Sparen Sie nicht an Ihrer Reputation, am  Marketing oder bei notwendiger Technologie, sondern erledigen Sie Ihre Hausaufgaben. Und rechnen Sie mit Veränderungen und Disruption, auf die Sie sich vorbereiten – nichts läuft heute mehr linear. Die Digitalisierung trifft alle im Recruiting. Solo-Recruiter sollten diese auf drei Arten begegnen: Mit lebenslangem Lernen, intensivem Netzwerken und konsequenter Effizienzsteigerung. Seien Sie also proaktiv  – und denken Sie an finanzielle Reserven für magere Zeiten.

HAPPY RECRUITING & SOURCING!

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One Comment

  1. Jürgen Bühler 30. April 2018 at 10:04 - Reply

    Hat mir gut gefallen der Artikel. Insbesondere der Tipp mit der notwendigen Spezialisierung. Gerade durch die Flexibilität der eigenen Arbeit ist man immer wieder versucht, jeder Kuh hinterherzulaufen. Wer dies in den Griff bekommt, sich auf seine Stärken fixiert und ggf. auch mal eine Empfehlung für einen Kollegen ausspricht, kann sich ein gut laufendes, sicheres Gewerbe aufbauen.

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