Früher konnte man in Suchmaschinen einfach die Worte eingeben, die man auf den Profilen der Kandidaten erwartete. Und die XING Suchmaske zeigte passende Profile an. Das war erfolgreich und so entstand für viele der Eindruck: So geht Active Sourcing bzw. diese Vorgehensweise führt zu den richtigen Kandidaten(profilen). Das Problem ist: Damals gab es noch Keywortsuchmaschinen – und diese konnte man linear mit etwas Recruiting Knowhow steuern. Doch seit 2011 gibt es nur noch semantische Algorithmen und diese tun genau das nicht mehr: Linear die intuitiv eingegebenen ‚Keywords‘ auf allen Profilen suchen.

Auf-Gut-Glück-Searchen ist nicht gezieltes Sourcing

Fangen wir erst einmal mit der Begriffs-Definition an: Sourcing und der Beruf des ‚Sourcers‘ hat nichts mit dem Research einer Personalberatung zu tun. Gemeint ist damit auch kein mit der Xing Suchmaschine nach ‚Kandidaten-Googeln‘ oder ‚Mit-ein-paar-Keywords-auf-gut-Glück-Searchen. Hier handelt es sich um ein Übersetzungs-Mißverständnis: Das deutsche Suchen wird zwar mit Sourcing gleichgesetzt, aber das ist falsch. Denn Suchen wird mit Searching übersetzt.

Mißverständnis - Searching ist nicht Sourcing

Verwechslung von Searching und Sourcing

Diese Wortähnlichkeit im Englischen enthält eine weitere Verwechslungsgefahr (hier mehr: Einwurf: Active Sourcing ist nicht Social Media Searching), weil das Sourcing dann nicht als eigener, anderer Prozess wahrgenommen wird. Der Begriff Sourcing stammt aus dem Einkauf und hat bereits dort immer etwas mit systematischer Recherche, einem ‚Findesystem‘ nach ‚Lieferanten‘ zu tun. Übertragen ist Sourcing der systematische Prozess der Online-Recherche nach Kandidaten(informationen). Oder noch besser: Das Steuern der Suchmaschinen zu Online-Informationen potentieller Talente.

Unterschied (Telefon)Research und Sourcing

Dieser spezielle Sourcing Workflow hat nichts mit der Telefonarbeit eines Researchers zu tun. Ein solcher Telefon-Research einer Personalberatung kann nicht gleichmaßen systematisch erfolgen. Die Kunst des Telefonresearch ist es intuitiv auf die Gesprächpartner mit vorbereiteten Cover Storys zu reagieren, um vor der Kontaktaufnahme möglichst viele Informationen zu erhalten. Dagegen steht: Intuition ist der Tod des Active Sourcing Erfolgs. Komplexe Suchmaschinen lassen sich nicht erfolgreich ’nach Gefühl‘ steuern, dazu ist das ganze System der Datenanalyse und Suchmaschinen-Algorithmen zu vernetzt und kompliziert. Deshalb ist selbst auch das Profi-Sourcing keine Allzweckwaffe – auch weil nicht alle Menschen (ausreichend) Online-Spuren hinterlassen.

Active Sourcing by Accident in XING

Und auch wenn viele früher mit XING-Suchmaschinen Experten waren: Professionelles Sourcing ist heute durch die Semantischen Algorithmen (seit 2011 gibt es keine Keywordsuchmaschinen mehr) auch in XING nicht, ein paar Keyworte eingeben und dann hoffen, dass man damit Talente findet. Und schon gar nicht, wenn man diese Suchbegriffe in der Recruiter Denkweise aus einem Lebenslauf oder der Personalanzeige entnimmt – und dann irgendwie intuitiv in eine Suchmasken eingibt.

Mehr Interviews führen löst das Problem nicht!

Wenn die Suchmaschine nur zufällig, ähnliche Kandidaten findet, kann auch der beste Recruiter nicht durch noch mehr Interviews daraus gute passende Kandidaten zaubern. Der Sourcing ist also nicht das Abarbeiten langer Listen potentieller Kandidaten durch ‚händische Selektion‘. (Das nennen sarkastische britische Sourcing Kollegen ‚Sourcing by Accident‘ – weil man ja von vorneherein nur per Zufall einen guten Kandidaten in der Auswahl hat).

Active Sourcing geht nur mit Ehrgeiz professionell

Da viele Menschen immer noch glauben, dass das, was in Google steht wahr ist und noch schlimmer: unabänderlich und die Realität darstellt, übertragen sie das auch auf XING oder LinkedIn-Suchergebnisse. Nicht selten wird dann über die ‚Qualität der Kandidaten-Profile‘ gejammert. Aber wie die Briten so schön sagen: ‚Only bad workers blame their tools‘ – es sind meist nicht die Tools die Ursache für ein Finde-Problem.

Ein Erklärungsversuch: Wir haben durch das ‚Recht auf Vergessenwerden‘ (hier bei Wikipedia mehrgelernt, dass wir Google und Suchmaschinen zwingen können, bestimmte Ergebnisse nicht anzuzeigen:

Suchmaschinenergebnisse sind also nicht unabänderlich und damit beeinflussbar!

Wenn Google ihre Suchergebnisse steuern kann: Warum versuchen sie das dann nicht  auch für Ihre Zwecke gezielter? Sie müssen keinesfalls glauben oder akzeptieren, was Sie bei intuitiven Eingaben sehen. Es gibt 21 Active Sourcing Methoden  – und viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch zu Ihren guten, gesourcten Kandidaten.

Active Sourcing außerhalb von DACH

Sourcing ist ein eigener Beruf, da der Workflow auch anders ist als im Recr

uiting. In den USA und UK hat sich das gesamte Recruiting bereits so entwickelt, dass die Fähigkeit zu ‚Sourcen‘ für Personaler sowohl in Unternehmen als auch in der Dienstleistung eine wichtige Job-Voraussetzung geworden ist. Personaler beurteilen dort immer mehr auch eigene Kollegen nach deren Sourcing-Fähigkeiten.

Neue Titel  entstehen auch hier in Deutschland wie ‚Chief-Sourcer‘ oder ‚Recruiting-Sourcer‘ oder  ‚Sourcing-Expert‘. Sourcer nützen verfügbare Datenspuren heute schon und wissen, wie sie diese Daten predictiv analysieren und wie sie mit den weiteren Informationen erfolgreich kombinieren, um Kandidaten nicht nur zu finden, sondern auch gezielt zu gewinnen. 

Der Active Sourcing Workflow

Der Active Sourcing Workflow ist ein Talent Management Workflow, per Informationsauswertung Talente gezielt im Web findet.

Im Sourcing übernimmt das Matching mit der offenen Stelle im Wesentlichen die Suchmaschine. Und zwar so gut, dass gesourcte Kandidaten nicht nur eine hohe Passung mit der Zielfunktion haben, sondern der Sourcer auch die Informationen hat, wie er diese Talent erfolgreich gewinnen kann. Profi-Sourcer haben deshalb auch eine extrem hohe Response-Rate.

Der Recruiting Workflow ist ein handverlesenes Kandidaten selektieren in endlosen Auswahlschleifen – sehr mühseelig. Da Active Sourcer in der Lage sind in jedem Medium gezielt zu den passenden Kandidaten zu steuern, ist es sowohl im Fall des Bewerberüberflusses, in dem tausende von Bewerbern gemanagt werden müssen, also auch bei Fachkräftemangel der effizientere Prozess.

Idealtypischer Unterschied-Recruiting-Sourcing

FAZIT: Active Sourcing ist gezieltes FINDEN – nicht SUCHEN

Wer erfolgreich Sourcen will, muss umdenken und nicht nur lernen, wie man Suchmaschinen steuert, sondern lernen wie man sich im Medium Web als Sourcer verhält und vor allem: das Web so versteht und Talent Daten spuren interpretiert, dass man FINDEN kann. Also wie man Daten mit Suchmaschinen auswertet. Man findet gezielt nur, wenn man sich klar darüber ist, was man finden möchte: Das Online-Abbild des Talents, dass man dann in der realen Welt dann gewinnen möchte. Sourcing als Prozess des Talent Managements ist für Unternehmen nicht nur eine externe Lösung zum Bespiel im Fachkräftemangel, sondern auch eine interne Lösung. Es kann in der Personalentwicklung eingesetzt werden, um eigene Talente zu lokalisieren, aber auch um die Massenbewerbungen von Großkonzernen zu bewältigen.

HAPPY SOURCING!

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