Auch wenn es viele nicht glauben, das Finden und Gewinnen von gewerblichen Kandidaten in XING und Linkedin ist möglich. Die Ursache ist einfach: Industrie 4.0  hat auch die Wirkung, dass die gewerblichen Berufe immer mehr digitalisiert werden: Der Elektroniker in einem optischen Unternehmen wird zum ‘Optroniker’. Mechanik muss mit Software ansteuert werden, was nur mit Elektronik geht und so nennt man diesen gewerblichen Experten oft ‘Mechatroniker’. In der Digitalisierung verschwimmen diese Grenzen überall – auch zwischen den Angestellten und gewerblichen Berufen und zwischen den Disziplinen.

Hola, gleich vier Grunddenkfehler!

Was stellen sich die meisten in Deutschland unter Active Sourcing vor? Keywords in Suchmasken von XING eingeben, ein paar wenige sind auch schon in LinkedIn unterwegs. Und da diese proaktive Suche hauptsächlich von Personalberatern eingesetzt wird, die hohe Honorare nehmen, liegt die seltsame Schlussfolgerung nahe: Sourcing von gewerblichen Kandidaten ist zu teuer und macht also kein Sinn. Das beinhaltet gleich vier Grunddenkfehler:

  1. Unsinn, Active Sourcing von gewerblichen Kandidaten ist nicht teuer: Unternehmen sind im Schnitt in der Ansprache erfolgreicher als Dienstleister – und brauchen (vorausgesetzt sie finden professionell und sprechen wertschätzend an) weniger Ansprachen, um erfolgreich zu sein. Sie sparen also Zeit und Geld
  2. Falsch: Active Sourcing mit der Keyworddenke ist sowieso uneffizient. Und damit unprofessionell – denn die Active Sourcing Profis wissen semantische Suchmaschinen zu steuern (heute sind alle Suchmaschinen semantisch – will man gezielt finden, muss man die richtigen Suchbegriffskombinationen eingeben). Profis denken folglich nicht in ‘Keywords’ aus dem Personalmarketing. Sie suchen und finden nach Performance.
  3. Stopp: Die meisten reinen gewerblichen Berufe gibt es schon lange nicht mehr: Es verschwimmen die Grenzen zwischen Angestellten und Gewerblichen schon seit Jahren, das Berufsbild des Industriemechanikers erwartet immer mehr Programmierung-Knowhow. Wer soll Ihr Auto mit Bordnetzen reparieren, wenn der Kfz-Mechaniker sich nicht mit Programmierung und Sicherheitstechnik auskennt?
  4. Umdenken ist angesagt: Wer behauptet, sie sind nicht auf XING und LinkedIn? Nur weil Anfänger, die mit Keywords ineffizient suchen, gewerbliche Kandidaten nicht finden, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht da sind. Und sie sind da. Besonders aufgrund des Punktes 3: Die Grenzen verschwimmen:

Active Sourcing von gewerblichen Kandidaten 2

Praktikertrick Nr. 1 – Sourcing von gewerblichen Kandidaten

Der erste Praktikertrick ist: Denken und handeln Sie wie ein Sourcer und nicht wie ein Recruiter. Sourcing ist nicht proaktives Recruiting – selbst wenn es noch so viele Sourcing-Theoretiker, die selbst nicht aktiv sourcen, so behaupten. Denn das erfolgreiche Sourcing hat einen anderen Workflow als das Recruiting. Es gibt viele weitere Unterschiede, problematisch ist aber, dass Recruiter zwei Handlungssäulen haben – das Personalmarketing und die Selektion. Diese beiden in das Sourcing zu übertragen ist Selbstsabotage. Mit den Suchbegriffen aus dem Personalmarketing können Sie keine Suchmaschinen steuern. Das ist nur intuitiv und so finden Sie gerademal zufällig, aber nicht gezielt, denn Suchmaschinen sind Maschinen und müssen präzise und nicht ‘ungefähr und irgendwie’ gesteuert werden. Und Sourcer matchen Candidate Personas und Data mit Suchmaschinen und nicht (wie es Recruiter tun) reale Personen mit realen Lebensläufen. Sie selektieren nicht, sie vertrauen ihrem Können als ‘Suchmaschinen-Steuerer’ und der (Vor-)Auswahl von Suchmaschinen.

Wie  source ich konkret?

Weg mit der Jobtitelfixierung: Wenn Sie einen Energieelektroniker suchen, dann geben viele einfach nur den Suchbegriff ‘Energieelektroniker’ ein. So steht es auf der Anforderung des Fachbereichs, so ist die offizielle Titelbezeichnung, so ist das einfach schon seit Jahren – denken viele. Das ist es nicht (mehr), seit semantische Suchmaschinen dem einen Strich durch die Rechnung machen. Und es online nicht um Lebensläufe, sondern am Anfang nur um einen User geht. Der zwar vielleicht als Energieelektroniker arbeitet,  aber auf seinem/ihrem Profil kann ganz was anderes als genau dieser Titel stehen. Und nach den anderen Schreibweisen sollten Sie auch suchen (im Folgenden stehen in den blauen [ ] die Suchketten in blau). Hier einige Beispiele:

[(Elektromonteur OR Elektriker OR Elektromontage OR Monteur OR Servicetechniker OR Techniker OR Facharbeiter OR Elektroanlageninstallateur OR Elektromonteur OR Energieelektroniker)]

Praktikertrick Nr. 2 – Sourcing von gewerblichen Kandidaten

Dasselbe gilt für Spezialisierungen Ihrer potentiellen gewerblichen Kandidaten: Weg mit den Personalmarketing-Phrasen, das sind keine guten Suchbegriffe! Selbst wenn Sie bei den Jobtiteln bleiben würden: den reinen Elektroniker oder Industriemechaniker gibt es auch in der Realität nicht – er spezialisiert sich schon im ersten Jahr seiner Praxis. Und Menschen sind stolz auf diese Leistungen – also schreiben sie das auch auf ihre Profile, so wie sie es für richtig halten (denn Regeln hierzu gibt es nicht). So verschmelzen die Berufsbilder wie Sie ihre Vorstellungen auch von den Mix-Berufen ‘Mechatroniker’ (Mechanik und Elektronik’) oder ‘Optroniker’ (Optik und Elektronik)  – wie einfach nachvollziehen können, wenn Sie diese Suchbegriffe in XING oder Linkedlin eingeben.

Wie source ich konkret?

Gehen Sie online Ihren gewerblichen Talenten sozusagen einen Schritt entgegen. Ihre Ansprechpartner sind stolz auf ihre Spezialisierung (und diese genau suchen Sie). Sie beschreiben auf ihre Weise ihre Aufgaben auf ihrem Profil – gerade

auch in den beruflichen Netzwerken. Und gehen Sie davon aus: Da Englisch zur zweiten Sprache aufgestiegen ist, finden Sie sowohl Englische, Denglische und Deutsche Titel vermischt. Die Akademiker machen es vor und so machen es die gewerblichen Spezialisten auf ihre Weise einfach nach. Da steht dann auf dem Profil des Optronikers, den Sie suchen, vielleicht etwas ganz anderes:

[Facharbeiter AND (Optronik OR Optik OR Optics OR Optoelectronics)]

oder

Active Sourcing von gewerblichen Kandidaten

Praktikertrick Nr. 3 – Sourcing von gewerblichen Kandidaten

Das Klügste und erste im professionellen Sourcing ist überhaupt zu verstehen, welche Beschreibungen Ihre potentiellen Kandidaten auf dem Profil stehen haben. Zu dem Zeitpunkt, in dem Sie auf die Suche gehen, sind dies noch keine Kandidaten, sondern einfach User, die stolz auf ihre Leistungen und Ihr Knowhow sind. Und die deshalb in den Social Media Portalen auf Augenhöhe mit den ‘Studierten’ mit Selbstbewußtsein ihre Spezialisierungen auf ihren Profilen hervorheben wollen. Stinklangweilige Jobtitel sind dafür nicht geeignet, also werden sie alle kreativ: Deshalb gilt hier der dritte Praktikertrick: Do you speak Talent? 

Wie source ich konkret?

Nehmen wir das Beispiel eines Energieelektroniker (m/w) im Bereich Offshore Technik. Er soll Windkraftanlagen aufbauen, installieren und in Betrieb nehmen. Fixieren Sie sich auch hier nicht auf den Titel oder nur auf das, was das Wording Ihres Kunden oder Ihres Fachbereichs ist. Machen Sie sich bevor Sie starten konsequent Gedanken, was so alles auf dem Profil Ihrer potentiellen Kandidaten stehen könnte. Also nicht einfach nur

[Energieelektroniker AND Offshore]

–> 61 XING Mitglieder und —> 8 LinkedIn Mitglieder

So kommen Sie nicht weiter. Besser ist schon:

[Energieelektroniker AND (“Offshore-Windpark” OR Offshore OR Windkraftanlagen OR “Offshore-Windkraft”)]

–> 97 XING Mitglieder und –> 9 LinkedIn Mitglieder

Aber das ist noch nicht einfühlsam genug und auch nicht pragmatisch. Kombinieren Sie die Suchbegriffssammlung von oben mit den unterschiedlichen Schreibweisen der Spezialisierung, sieht es mit dem Finden schon sehr gut aus:

[(Elektromonteur OR Elektriker OR Elektromontage OR Monteur OR Servicetechniker OR Techniker OR Facharbeiter OR Elektroanlageninstallateur OR Elektromonteur OR Energieelektroniker) AND (“Offshore-Windpark” OR Offshore OR Windkraftanlagen OR “Offshore-Windkraft”)]

–> 928 XING Mitglieder und –> 233 LinkedIn Mitglieder

Fazit 

Professionelles Sourcing ist nicht etwas, was man nebenbei machen sollte. Denn Ihr Sourcing Erfolg hängt nicht nur vom Finden, sondern von der wertschätzenden Ansprache an. Beides, das Finden und das erfolgreiche Kontaktieren wiederum ist nicht möglich, wenn Sie sich nicht die Zeit nehmen, Ihre potentiellen Kandidaten zu verstehen. Dazu müssen Sie nicht tief in Empathie eintauchen und zum Gutmenschen mutieren, sondern sich in Ruhe und mit Wertschätzung, also auf Augenhöhe überlegen und vorbereiten, welche Spuren Ihre potentiellen neuen Mitarbeiter bzw. die zukünftigen Mitarbeiter Ihres Kunden ONLINE hinterlassen. Diese sogenannte Digital Body Language müssen Sie lernen zu finden, zu erkennen und zu lesen. Und das geht nicht intuitiv und schon gar nicht ohne, dass Sie sich intensiver mit Semantischen Suchtechnologien auseinandersetzen. Zu Fuss oder wie man sagt ‘händisch’ jedes einzelne Profil anklicken und dort nach Keywords zu suchen, war gestern als es noch die Keywordsuche gab. Und die gibt es schon seit 2011 nicht mehr …

Unser Zusatztipp:

Machen Sie sich und Ihren Mitarbeitern nicht das Leben schwer, in dem Sie meinen, Active Sourcing ist nur ein paar Keywords mit Booleschen Befehlen kombiniert in Suchmasken eingeben. Semantische Suchtechnologien sind so gebaut, dass sie immer etwas Ähnliches finden. Um gezielt und effizient Talente aus dem Web zu sourcen, sollten Sie erst Mal lernen, deren Digital Body Language zu erkennen. Und das ist ein Wettbewerbsvorteil, denn man kann viel mehr Positionen mit Sourcing besetzen, als viele denken. Doch vergessen Sie nie: Sourcing ist keine Allzweckwaffe – alle Positionen kann man dann doch nicht alleine per Active Sourcing besetzen! (Hier mehr in unserem Blogartikel: Nein, Active Sourcing ist keine Allzweckwaffe!)

Happy Sourcing!

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