Immer mehr Recruiter starten mit Active Sourcing. Denn angesichts der zunehmenden Personalbeschaffungs-Probleme, müssen immer mehr proaktiv auf potentielle Kandidaten zu gehen. Es kann das Gefühl aufkommen: Active Sourcing ist derzeit ‚in‘. Besonders im Dienstleistungsbereich positionieren sich  Personalberatungen und Personalvermittlungen als ‚Active Sourcing Experten‘. Oft werde ich gefragt, ab wann man wirklich ‚Experte‘ ist. Dieser Blogartikel  soll etwas mehr Licht in diese Diskussion bringen.

Gute Active Sourcer sind Suchmaschinen-Flüsterer

Gute Active Sourcer kennen ihre Haupttools als Suchmaschinen-Steuerer und Talentfinder, besser formuliert: Sie beherrschen diese. Oder um es mit den Worten von Professor Dr. Peter M. Wald und Gerhard Kenk zu sagen, die mich bei Crosswater Job Guide Suchmaschinen-Dompteuse‘ nannten: Erfolgreiche Active Sourcer müssen virtuos mit der sich ständig ändernden digitalen Technik umgehen können, ‚Digital Mindset‘ besitzen und sich besonders mit der Haupt-Such- und Finde-Technologie auskennen: Den ‚Semantischen Algorithmen‘ der Suchmaschinen.

Tools sind so gut wie ihre Bediener!

Dabei liegt die Betonung auf der Mehrzahl. Denn heutige Profi-Sourcer verlassen sich niemals nur auf eine Quelle oder gar nur ein Tool. Erfolgreich kann man heute Talente nur finden und identifizieren, wenn man die notwendigen Tools mit den richtigen Methoden orchestriert. Denn einer der größten Fehlerquellen des Sourcings ist, nicht die zur Beurteilung ausreichende Informationen über ein Talent zu haben. Und so in die Gefahr zu geraten, die besten Kandidaten gar nicht erst zu finden oder völlig zu übersehen.

Alle heutigen Active Sourcing Tools sind Semantische Algorithmen

Googles Algorithmus ist seit 2011 ein semantischer Algorithmus. XING und LinkedIn haben kurz danach auf semantische Technologien gewechselt. Diese Suchalgorithmen sind also KEINE Keyword-Suchalgorithmen mehr (und können somit auch nicht mehr mit einzelnen Keywords gesteuert werden!). Da aber eine semantischen Suche (= Steuerung eines semantischen Algorithmus) so funktioniert, dass diese Algorithmen immer ’nur möglichst ‚ähnliche‘ Ergebnisse anzeigen  (zum Vergleich: Die Keywordsuche sucht ‚genau die gleichen‘ Ergebnisse) – interpretiert jede semantische Suchmaschine jede Anfrage. Wer also eine nur ungefähr richtige Anfrage stellt, kann nur hoffen, dass die dann angezeigten ungefähr richtigen Userprofile nicht wirklich weit weg vom gewünschten Talentprofil liegen. Gezielt finden ist das nicht, sondern eher zufällig etwas finden.

Active Sourcing ist nichts für Theoretiker!

Alleine mit Hoffnung kann man nicht finden oder effizient sourcen. Dennoch: Suchmaschinen kann man steuern. Jeder, der es wirklich will, kann diese Steuerung von Suchmaschinen zu Talent-Informationen lernen. Dann wird es ihm/ihr möglich sein, semantischen Algorithmen der Suchmaschinen gezielt zu den gewünschten Informationen von Kandidaten zu lenken. Und den jeweiligen Schwierigkeiten auszuweichen, da er sie direkt erkennt, bevor sie entstehen. Es ist zwingend notwendig, dass ein guter Sourcer selbst Sourcing-Projekte durchführt und sich ein entsprechendes Knowhow aneignt. Wer auf Hörensagen setzt, wir schnell geoutet. Wie beim Autofahren: Sie können Do-it-yourself auf einem privaten Parkplatz herumfahren. Da reicht es, Ahnung zu haben, wie das Autofahren geht, denn niemand schaut zu. Aber wenn Sie auf eine Straße gehen, brauchen Sie einen Führerschein, also nachgewiesenes Wissen.

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Lernen Sie von Praktikern, die selbst aktiv sourcen

Technologie ist eine Wissenschaft, sie zu nutzen ist eine Kunst

Hinter den einfachen Suchmasken der Suchmaschinen befinden sich hochkomplizierte Algorithmen. Diese können Sie mit Ferraris vergleichen. Wenn Sie so einen Ferrari auf einem Feldweg ausprobieren und anstatt mit Superbenzin auch noch mit Diesel befüllen und Gas geben, erreichen Sie Ihr Ziel nicht. Einfach nur im Kreis in einem Stadion oder alleine auf einer Rennstrecke ohne Wettbewerb zu fahren, kann jeder – nur kommen Sie dann nicht wirklich vom Fleck. Das einzige was Sie in einem solchen Fall haben, ist ein gutes Gefühl, in einem Ferrari gesessen zu haben. Doch letztlich geht es nicht um eine Recruiting-Roadshow. Sondern es geht darum, eine Vakanz gut zu besetzen, am besten ist es sogar, wenn man schneller und besser als der Wettbewerb bei den richtigen Talenten ist und diese auch noch direkt überzeugt.

Active Sourcer, die gezielt suchen, werden auch finden!

Verglichen mit Suchmaschinen wie dem XING Talentmanager bedeutet dies: Sie müssen einen solchen Algorithmus richtig steuern lernen, um gezielt zu suchen und zu finden – und diese Suchmaschinen kombinieren. Nur auf eine Informations-Quelle dürfen Sie sich heute nicht mehr verlassen. Auch ist es so, dass Sie mit ein paar intuitiv eingewürfelten Keywords nicht vom Fleck kommen und sich bei jeder Suche im Kreis drehen. Das einzige was bleibt, ist ein ‚gutes Gefühl‘, irgendwie ähnlicher Profile gefunden zu haben. Und mit Hoffnung und Glück vielleicht sogar ein paar Vorstellungsgespräch führen zu können. Aber um systematisch, gezielt und effizient zu suchen und zu finden, also um virtuos in Sekunden die besten Profile auf dem Bildschirm zu haben, erfordert es Sourcing Praxis, Profi-Können, Erfahrung, Digitales Knowhow und  – Recruiting Kompetenz.

Profi-Sourcing – einfach erklärt am Beispiel der Kunst des Hähnezeichnens  

Die Arbeit bzw. das Arbeitsergebnis eines Profi-Sourcers kann man mit folgendem Beispiel erklären:

Der Kaiser von China hörte von einem sehr großen Künstler, der fanstastische Zeichnungen von Vögeln erstellte, die überaus beliebt waren. Er ließ ihn kommen und gab ihm den Auftrag, einen wunderbaren Hahn zu zeichnen. Denn der Kaiser liebte gerade Hähne über alles. Der Künstler ließ ein Jahr nichts von sich hören. Nach diesem Jahr verlor der Kaiser die Geduld und reiste mit seinem Gefolge zum Künstler. Dieser lud ihn in sein Haus ein, nahm vor den Augen des Kaisers ein Blatt und zeichnete mit wenigen kühnen Strichen einen prachtvollen Hahn.

Der Kaiser war begeistert. Doch er beschwerte sich über den Preis: „Wieso forderst Du viel Geld für eine Zeichnung, die du in wenigen Augenblicken vor meinen Augen auf das Papier wirfst?“ fragte er. Ohne ein Wort führte ihn der Künstler in einen großen Raum, der mit Skizzen und Studien von Flügeln, Schnäbeln und Köpfen von Hähnen voll hing. In einem zweiten Raum fanden sich Hunderte von weiteren Entwürfen mit Hähnen. Und in einem dritten Raum waren die Wände voll von Zeichnungen mit Hähnen, die auf einem Misthaufen kratzten oder mit gegeneinander kämpften, Körner pickten oder erkennbar laut krähten. Das ganze Haus war mit Hähnen in jeder Bewegung und in jeder Position gepflastert.

„Mein Kaiser“ sagte der Künstler, „Dir erschien es so, als ob die Zeichnung schnell, oberflächlich und mühelos hingeworfen wurde. Aber ich habe nun ein ganzes Jahr intensiv daran gearbeitet, genau mit dieser Präzision den allerschönsten Hahn erstellen zu können. Ein Jahr, in dem ich ununterbrochen Hähne in allen Positionen studierte, meine Bewegungen perfektionierte und Stifte und Papier getestet habe. Nur so konnte ich diesen perfekten Hahn für dich erschaffen.“

Die Verbindung zwischen Sourcing und Hähnezeichnen

Sourcing Knowhow fliegt niemandem zu. Um online echte Talente zu identifizieren, muss man das Erkennen der richtigen Kandidaten vorher bereits offline gelernt haben. Und dies lernen online zu übertragen. Denn Profile keine Lebensläufe sind und dürfen nicht als solche geprüft und beurteilt werden, wenn man Profi-Active Sourcing betreiben will. Die Online-Spuren von Kandidaten, die sogenannte Digital Body Language, kann deshalb auch nicht mit dem bloßen Auge alleine erfassen, sondern nur mit Hilfe von Tools mit dem richtigen Stellenprofil matchen.

Im Grunde ist es auch unsinnig zu denken, man kann mit ein paar einzelnen Begriffen intuitiv wirklich qualifizierte Kandidaten identifizieren, das macht in der Realität auch kein Profi. Natürlich kann man mit Suchmaschinen finden – Profi-Sourcer beweisen das. Aber dazu muss man sowohl die ‚Semantische Algorithmen‚ als Sourcing-Instrumente genauso wie fundiertes Recruiting-Knowhow beherrschen. Und in allen Varianten und verschiedenen Methoden kombinieren können. Dann klappt’s auch mit dem Talent-Finden und -Identifizieren.

Der Pinsel der Sourcer: Suchbegriffsketten (Strings)

Einfach zu hoffen und zu denken, dass man eine Suchmaschine mit den ‚richtigen‘ Worten zu genau denselben Worten auf Profilen von Top-Talenten steuern hat, ist (noch) ein unrealistischer Traum. ‚Semantik‘ wird hier mit ‚Keyword‘ verwechselt – und diese bisherige Keywordsuche gibt es faktisch seit 2011 nicht mehr. Zusätzlich gibt es ein zweites, viel größeres Problem: Es geht in der semantischen Suche um die richtigen Suchbegriffs-Kombinationen und nicht um einzelne Keywords.

Es geht um die Übersetzung der Stellenbeschreibung in Suchmaschinen-Sprache und komplexe String-Abfolgen, in denen die Reihenfolge und Verbindung (Boolesche Befehle) eine entscheidende Rolle spielt. Sourcing ist ein agiler, digitaler Prozess – Recruiting ist linear. Wenden Sie lineare Prozesse im Sourcing an, suchen Sie weder effizient, noch gezielt. Das Ergebnis ist meist nicht gut – Sourcing-Experten nützen deshalb iterative Finde-Methoden (Es gibt 21 Active-Sourcing Methoden)

Gute Active Sourcer sind immer auch ausgezeichnete Recruiter!

Und diese Suchmaschinen-Sprache findet man selten über die  Formulierungen einer Anzeige, sondern nur in einem mit dem Fachbereich sauber erstellten Stellenprofil. Ein guter Recruiter, weiß, wie er ’seinen‘ Hiring Manager interviewt, um ein solches Stellenprofil zu erstellen. Ein Grund, warum gerade gutes Recruiting die Basis eines jeden erfolgreichen Active Sourcing Prozesses ist. Und diesen Prozess kann man nur durch

  1. Suchmaschinen-Knowhow, 
  2. Sourcing-Methoden-Kompetenz und
  3. viel Erfahrung und Praxis
  4. Übung, Ausdauer und Geduld

professionell und erfolgreich durchführen. Denn auch für den digitalen Sourcing Prozess gilt: Er ist eine hohe Kunst, die niemand intuitiv zufliegt.

Happy Sourcing!

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