Wenn in Deutschland das Thema Sourcing Tools besprochen wird, fokusiert sich alles auf die bekannten Namen der Suchmaschinen der Business Netzwerke. Aber erfahrenere Active Sourcer bleiben nicht mehr nur in einem Social Media Portal, sondern holen sich Zusatzinformationen aus anderen Portalen. Denn nur so können sie bestimmen, ob es wirklich ein Talent ist. Doch über 100 potentielle Plattformen manuell für jeden Kandidaten auf weitere Informationen zu durchsuchen, ist praktisch nicht machbar. Deshalb gibt es immer mehr sogenannte People Aggregatoren bzw. Talent Aggregatoren, die diese Aufgabe übernehmen können.

Was machen People Aggregatoren bzw. Talent Aggregatoren?

Bei Aggregatoren handelt es sich um spezielle Programme, die bezogen auf ihre Programmierung und die Suchanfrage, passende Informationen aus unterschiedlichen Quellen (Social Media Portale) suchen, finden und diese ergänzen oder matchen. In HR gibt es Job Aggregatoren wie z.B. Indeed, die im Web zur Suchanfrage passende Stellenanzeigen finden und dann sortiert anzeigen. Und es gibt für das Sourcing die sogenannten People Aggregatoren bzw. Talent Aggregatoren, die Informationen über Personen suchen, finden und teilweise sogar in der Lage sind, diese mit vorhandenen Infos matchen. Meistens sind das derzeit “nur” die öffentlichen Links zu Social Media Profilen, Kontaktdaten (wie Email-Adressen). Erweiterte People Aggregatoren matchen auch darüberhinaus öffentliche Profilinformationen wie Interessen und Skills. Zukünftige Aggregatoren werden in der Lage sein, entsprechend weitere sprachliche Informationen von Menschen wie z.B. Blogs oder (öffentliche) Postings per Text Mining auszuwerten.

Der Unterschied von People Aggregatoren zu klassischen Sourcing Tools

Viele denken, ein Sourcing Tool kann nur der XING Talentmanager oder der LinkedIn Recruiter sein. Da beide Tools die Daten aus den jeweiligen eigenen Portalen zusammenführen und darstellen, sind dies keine Aggregatoren im eigentlichen Sinne. Da People Aggregatoren in der Regel in Realtime öffentliche Informationen aus Profilen verschiedener Social Media Portale komprimieren, entgehen ihnen die Daten von Profilen, die nicht öffentlich gestellt sind. (Man sagt, dass in XING eine große Zahl Profile nicht öffentlich sind, während umgekehrt in LinkedIn die größere Zahl der User öffentliche Profile haben.). People Aggregatoren bringen die Informationen verschiedener Portale in eine einheitliche, übersichtliche Darstellung und machen sie so leichter vergleichbar. Dazu müssen sie diese allerdings “bewerten” (“indexieren”). Dabei können große Fehler passieren – je nach Qualität des Algorithmus.

Die Vorteile von People Aggregatoren sind:

  1. Sourcer durchsuchen oft keine anderen Social Media Portale außer den Business Netzwerken, weil sie unter Zeitnot sind oder vielleicht sogar, sich in anderen Portalen nicht so gut auskennen. Ein People Aggregator übernimmt diese Aufgabe.
  2. Profile in den unterschiedlichen Portalen sind unterschiedlich aufgebaut, diese manuell zu durchsuchen, ist sehr anstrengend. Durch People Aggregatoren entgehen Sourcer weniger wertvolle Informationen.
  3. People Aggregatoren können helfen, die Überschneidungen von Profil Informationen z.B. bei Job Titeln zu bereinigen und geben ein besseres Bild eines potentiellen Kandidaten.
  4. Sie helfen, einen jeweils definierten Teil der weit über 100 Social Media Portale zu durchsuchen und unterstützen so die Filterung bzw. Priorisierung.
  5. Per Hand wäre das Sourcing kaum in einer so kurzen Zeit möglich: Ein People Aggregator spart Zeit und nimmt Arbeit ab.
  6. Sehr oft übersieht das bloße menschliche Auge online Details. Schon alleine deshalb matchen Algorithmen nicht selten besser.
  7. Da die Talent Acquisition immer mehr über den Sourcing Erfolg entscheidet, also die Kontakt und Kommunikationsphase, benötigt man hierfür mehr persönliche Informationen, wie man das Talent gewinnen kann. Hier helfen viele People Aggregatoren mit einfachen Infos, oder sogar mit errechneter Wechselbereitschaft (wie Talentwunder) oder mit einem Vorschlag, welches das beste Social Media Portal ist, weil der User hier am aktivsten ist (Dice Open Web).
  8. Manche People Aggregatoren verifizieren sogar die Email-Adressen oder errechnen die Wahrscheinlichkeit für Email-Adressen (z.B. Prophet).

Die Einschränkungen von People Aggregatoren sind:

  1. Das Matchen von Informationen, Skills, Daten, Fakten erfordert eine vorherige Bewertung (Indexierung). Dies ist eine große Fehlerquelle. Der Algorithmus muss sehr ausgefeilt sein und eine kluge Semantik enthalten, damit man nicht Äpfel mit Birnen verwechselt.
  2. Das Realtime-Konzept klingt gut. Aber alle diese Plattformen bei jeder Suchanfrage wirklich in Echtzeit zu durchsuchen, können sich nicht alle Anbieter leisten. Solche Webbewegungen kosten sehr viel Geld. Deshalb ist es üblich, Daten zwischenzuspeichern. Dies entspricht nicht immer dem (deutschen, europäischen) Datenschutzrecht in idealem Maß. Doch zu warten, bis ein nützliches Hilfstool komplett “ideal” ist, kann heute schon ein Wettbewerbsnachteil sein und ist abzuwägen.
  3. Meist sind es semantische Algorithmen – wie auch in den Social Media Portalen XING und LinkedIn. Das heißt, dass sie hauptsächlich ähnliche Suchergebnisse anzeigen. Denn semantische Algorithmen lernen: Wenn also jemand eine ähnliche Suche vor Ihrer Suchanfrage bereits durchgeführt, hat die Suchmaschine einen Vergleich und wird dies in Ihren Suchergebnissen anzeigen. Die Suchen der anderen beeinflussen Ihre Suchergebnisse – je nach Programmierung des Algorithmus.
  4. Die Qualität eines Aggregators hängt auch von seiner Suchfunktion ab – wie reagiert er auf die entsprechende Suchwort-Kombination bzw. kann er überhaupt mit Booleschen Befehlen gesteuert werden? Einige Aggregatoren bieten nur die Möglichkeit des Anklickens, was die Suche und das Finden sehr einschränkt.
  5. Um zu Kontaktieren braucht man meistens zusätzlich ein bezahlten Account eines Business Netzwerkes. Die meisten Aggregatoren sind Hilfen beim Finden und Matchen, geben auch Informationen über Email-Adressen. Da uns in Deutschland die Kontaktaufnahme an berufliche Email-Adressen untersagt ist, wird das ohne einen bezahlten Account schwierig
  6. Die People Aggregatoren sind nicht nur fast alle aus den USA – sie sind fast alle für die englische Sprache optimiert. Dies macht bei Tech oder internationalen Jobs weniger Probleme, aber bei vielen deutschen Profilkombinationen merkt man, dass sie viele Profile nicht finden, obwohl diese öffentlich sind. Angefangen mit unserer komplexen Grammatik bis hin zu Diversity Probleme, dass der eine oder andere (nicht für die deutsche Sprache optimierte) Aggregator Frauen durch das nicht erkennen z.B. weiblicher Berufsbezeichnungen wie “Managerin” nicht findet, matcht und anzeigt.

Welche People Aggregatoren gibt es?

Es gibt die kostenlosen People Aggregator Tools, die sehr häufig als Chrome Browser Plugin zu einer Website verlinken. Und die natürlich, da sie kostenlos sind, nur eingeschränkte Dienste anbieten:

  • Connectifier von LinkedIn (sucht über die LinkedIn Daten und Email-Adressen Social Media Profile)
  • Rapportive von LinkedIn (sucht über die Email – Adresse Social Media Profile mit ähnlicher Email-Adresse und zeigt die Infos dazu an)
  • Discoverly –  (Über die Gmail-Adresse werden verbundene Social Media Profile gesucht)
  • Prophet (Chrome App)

Und es gibt die kostenpflichtigen People Aggregatoren, die bis zu mehreren hundert Euro im Monat kosten. Da USA das Land des Sourcings ist, gibt es nur wenige europäische Talent Suchmaschinen (wie viele in Deutschland People Aggregatoren auch nennen) – und noch weniger, die für die deutsche Sprache optimiert wurden und/oder auch eine deutsche Oberfläche/Suchfunktion haben (nachfolgend in rot dargestellt).

Aus den USA:

Aus Europa

Fazit: People Aggregatoren sind zusätzlich ausgesprochen hilfreiche Tools

Die People Aggregatoren entwickeln sich in einem rasenden Tempo. Sie haben kluge semantische Algorithmen, die dazu lernen und werden ständig von den Unternehmen verbessert. Augenblicklich werden hauptsächlich öffentliche Kontaktdaten gematcht. Aber wir sind nun im Web 4.0. Hier dürfen wir erwarten, dass bald das Finden und Matching sehr viel besser wird – der künstlichen Intelligenz und HR Big Data sei Dank. Solange sich allerdings People Aggregatoren nur an öffentliche Profil Daten halten und nicht weitere Informationen der Digital Body Language von Usern im Web zusammenführen wie z.B. deren Blogs oder öffentliche Postings einbeziehen (Text Mining), sind sie ausgesprochen hilfreiche Tools zusätzlich zu den bezahlten Accounts der Business Portale XING und LinkedIn.

People Aggregatoren spielen heute schon eine entscheidende Rolle, weil kein Sourcer sich mehr auf nur ein Profil verlassen darf, wenn er/sie wirklich Talente finden und gewinnen will. Die meisten Menschen haben mehrere Social Media Profile, aber pflegen nur wenige, meistens nur eines davon, wenn sie nicht aktiv auf Jobsuche sind. Und um dies nachzuhalten und auch die passiven oder semi-passiven Kandidaten zu erreichen, braucht ein erfolgreicher Sourcer solche Tools heute schon – sonst entgehen einem die wirklich guten Talente, weil man nicht genug Informationen hat.

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