Active Sourcing ist notwendig geworden, weil in vielen Fällen entweder die Zahl, die Qualität oder der Zeitraum, in der man ausreichend genug Kandidaten für eine vakante Stelle findet, gefährlich von den Zielen abweicht. Auch wenn dieses Abweichen (meistens bekannt unter dem ‚Fachkräftemangel‘) oft punktuell ist, erfordert es vom erfolgreichen Recruiter, dorthin zu gehen, wo der mögliche Kandidat ist. Und das ist, da die mögliche Zahl der Kontaktpunkte im World Wide Web und der Realen Welt exponentiell gestiegen ist, nicht mehr so einfach und irgendwo im Web. Also hilft Sourcing, den Weg zum passenden Kandidaten abzukürzen.

Was ist dieses Active Sourcing ?

Sourcing (Finden/Identifizieren und Kontaktieren ) war im bisherigen Kandidatenmarkt nicht der Fokus, der Schwerpunkt lag in der Auswahl (Selection) von externer und natürlich internen Kandidaten. Bei Bedarf – also im Falle eine vakante Position im Unternehmen wandte man, wenn kein geeigneter Kandidat intern aus der Nachfolgeplanung zur Verfügung stand, 4 Methoden zur Suche an: Neben den beiden einfachsten (der passende Kandidat wurde aus einer – eigenen oder externen – Datenbank gefunden oder man erhielt Empfehlungen), konzentrierte sich die ‚Generierung‘ von Bewerbern auf die angezeigengestützte Suche und die Durchführung einer Direktansprache (‚Direct Search‘ oder auch Executive Search genannt).

Active Sourcing kommt dazu und ist der Turbo des Recruitings!

Die Maßnahmen der klassischen Rekrutierung sind heute keinesfalls ‚out‘. Die Prozessschritte einer Einstellung selbst sind gleichgeblieben und selbstverständlich endet ein erfolgreiches Rekruiting mit der Besetzung einer vakanten Position durch den passenden und geeignetsten Kandidaten. Auch haben die bisherigen Methoden viele Vorteile (siehe auch BlogartikelClassic-Recruiting und -Personalberatung: Sterben sie aus wie die Dinosaurier?). Aber vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen und auch der Auswirkungen des Web 2.0 funktionieren sie jeden Tag weniger reibungslos und weniger effektiv, dauern immer länger. Die Definitionen von ‚Erfolg‘ oder ‚Qualität sind bereits verschoben, die Zahl der Bewerbungen nimmt im Schnitt ab – und mit ihr die Qualität, der schnell geschrieben und noch schneller verschickten Unterlagen. Der „War for Talents“ tobt bereits – und wird noch zunehmen – die Trendforschung lässt daran keinen Zweifel und alle spüren es bereits.Change in Recruiting by Social Media

Active Sourcing ist Suchen, Finden, Auswählen gleichzeitig!

Die Direktansprache ist zwar ein aktiv auf Kandidaten zugehen, aber eher kurzfristig orientierte Strategie: Sie funktionierte deshalb bisher gut, weil man sich an die Situation angepasst hatte: Unter vielen Kandidaten, den geeignesten bzw. passenden mit dem Medium Telefon und nachgeschalteten Interviews herauszufiltern. Die Zielgenauigkeit war nicht hoch, denn schon bei der Identifikation mussten immer viele Kontakte angesprochen werden, bevor man ungefähr einen geeigneten Kandidaten identifiziert hatte. Ohne Vorab-Interviewkorrektur war eine Vorstellung beim Hiring Manager oft nicht sinnvoll. Deshalb sind heute alle erfolgreichen Recruiter sehr erfahren in Selectionsmethoden – eine Kompetenz, die aber im Digitalen Recruitierungsprozess immer weniger abgefragt wird, da sie von den Algorithmen übernommen werden. Und was nützen aufwendige, aussagekräftige Tests oder Assessment Center, wenn die talentiertesten Interessenten vielleicht noch mitmachen, aber dort unterschreiben, wo sie sich besser betreut und erwählt, aber nicht ausgewählt fühlen?

Immer wieder hört man, dass erfolgreiches Active Sourcing länger dauert, schwerer bzw. aufwendiger ist. Diese Fehlannahme entsteht ausschließlich daraus, dass hier mit dem Recruiting Workflow und Denken versucht wird, Suchmaschinen zu steuern. Das funktioniert nicht oder nur schlecht, ist mühevoll und uneffektiv, da es sequentiell die Schritte abarbeitet, um in der Interviewsequenz zu landen. Sourcer arbeiten und denken so nicht, sie übertragen die Aufgaben Suchmaschinen.

Active Sourcing sucht nicht, es fokusiert sich auf das Finden!

Die ‚Kriegs‘-entscheidende Lösung beginnt folglich damit,

wahre Talente zu finden und sich parallel für sich zu interessieren,

mit ihnen in Interaktion zu treten.

Wer erfolgreich rekrutieren möchte, muss sich intensiv Gedanken machen, wie er in dieser veränderten Arbeitswelt Kontakt zu den möglichen Kandidaten und Talenten aufnehmen kann – aktiv (Active Sourcing ) und passiv (Passive Sourcing z.B. Talent Acquisition Massnahmen mit Recruiting-Suchmaschinen-Optimierung oder mit Content Marketing) – und diese vielversprechenden Talente gewinnt und dann hält.

Active Sourcing ist Talent Management

Personalmarketing ist also nicht out – sondern heute einem umfassendem Social Recruiting und Talent Management gewichen, das von vorneherein interne und externe Talente gleichsetzt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Talent Acquisition, denn in diesem Prozess steht im Zentrum das ‚Geworben-Sein-Wollen‘ oder besser ‚Umworben-Sein-Wollen‘ der Talente. Das Ergebnis des Recruitmentprozesses 2.0 ist ein interagierender ‚aktiver‘ Talentpool und keine Liste möglicher Kandidaten. Denn heute ist jeder interessierte Kontakt wertvoll und muss als zukünftiges Talent oder Empfehler gepflegt werden.

Active Sourcing bezieht sich  – NOCH  – im heutigen Sprachgebrauch

hauptsächlich auf das externe Sourcing und ist das

Aufspüren und Identifizieren von möglichen Talenten (am Markt)

sowie die erste Kontaktaufnahme durch proaktive

Rekrutierungsmethoden im Web 2.0.

Bei professionellem Active Sourcing geschieht die Selection bereits vor der Kontaktaufnahme – die Digitalisierung und die Steuerung von hochentwickelten Algorithmen machen dies möglich.

Active Sourcing Strategien

Wer im Zeitalter des Web 2.0 erfolgreich rekrutieren will, muss erfolgreich sourcen oder sourcen lassen – und das heißt sich zielgenau und korrekt im Web 2.0 bewegen. Das Web und Social Media ist viel zu groß und der War for Talents viel zu intensiv, dass man hier noch mit früher Intuition arbeiten kann und Zeit hat, Schritt für Schritt abzuarbeiten. Sourcing bietet Präzision, Schnelligkeit und andere, bessere Kandidaten und ist damit ein Wettbewerbsvorteil für kluge, vorausschauende Unternehmen. Richtig gemacht, spart Sourcing letztlich Zeit, Geld und ist folglich – auch durch diese besseren Talente – effizienter. Ein Grund, warum Sourcing Zeit spart ist:

Weniger Aufwand in der Selectionsphase ermöglicht mehr Zeit für die Aufgabe des Recruiters, ein echtes Talent ZU GEWINNEN und zu HALTEN.

Active Sourcing ist ein anderer Prozess als das Recruiting

Da jede Funktion anders ist und das Web 2.0 sich ständig ändert, ist übergeordnet eine zukunftsweisende Active -Sourcing-Strategie für erfolgreiche Personalbeschaffung nötig. Sie muss alle möglichen virtuellen Aufenthaltsorte von potentiellen Kandidaten in die Suche einbeziehen – und selbst ein Netzwerk aufbauen: Einen Talentpool für Funktionsgruppen, für das Unternehmen, für Berufsgruppen, für Projekte. Ein wesentlicher Unterschied des modernen Active Sourcing ist somit auch, die internen Talente von Anfang an zu berücksichtigen und im Talentpool mitzupflegen und nicht nur just-in-time direkt offene Stellen zu besetzen. Gleichzeitig erfordert das Active Sourcing auch eine Abstimmung mit dem Recruiting und der Übergabe der Kandidaten an den Hiring Manager.

Unterschied Prozess Vergleich Recruiting und Sourcing

Erfolgreiches Sourcing ist HR-Data-Analytic

Die Währung des Internetzeitalters sind Informationen. Wer diese sammelt, pflegt und richtig damit umgeht, zählt zu den Gewinnern. Folglich entscheidet den Kurs des Unternehmen wesentlich mit, wer die Informationen über die Mitarbeiter, Kandidaten und deren Potentiale hat. Doch Daten alleine sind nichts wert – es ist die Analyse, die Datenzusammenführung und deren Auswertung, die die Wertschöpfung darstellen. Und diese an andere oder an Automaten aus der Hand zu geben, würde gleichkommen damit, dass HR von einem anderen Fachbereich bestimmt wird. Das wäre, wie wenn Sie Besitzer einer Goldmine sind, diese verpachten und mit einem niedrigen, aber sicheren Pachtzins zufrieden sind.

Vielfältige Active Sourcing Vorgehensweisen, Methoden und Tools

Die Sourcingmöglichkeiten sind vielfältig, die Tools und Medien ebenso – verwunderlich, dass sich viele mit willkürlich eingegebenen Keyworten in die XING Suchmasken zufrieden geben.  Denn erst wer die Tools, Medien, Stellenanforderungen, Daten mit Talenten orchestriert, entscheidet die Zukunft und ist erfolgreich. Sourcing ist also kein Web-Hunting, kein ins Internet verlegtes Executive Search, das man durch nachgelagerte Interview richten und korrigieren kann. Sourcing ist ein kontinuierlicher Prozess, geplant, durchdacht und stützt sich auf kluge Strategien. Wer erfolgreiches Talent Sourcing betreibt, muss über ein tiefgehendes Verständnis für soziale Netzwerke und Web 2.0-Technologien verfügen, dem Online-Verhalten von potentiellen Kandidaten, den Wirkungsweisen der unterschiedlichen Tools, von Daten-Analyse und -Auswertung. Er muss wissen, wie er sich in den Plattformen und Netzwerken verhalten muss und die entsprechenden Tools und Kniffe kennen, denn das Finden alleine ist keine heute schon lange keine Erfolgsgarantie mehr.

Erst das Gewinnen entscheidet den Sourcing und letztlich auch den Recruiting Erfolg.

Dazu ist eine eigene nachhaltige und konstante Lernbereitschaft absolut notwendig, denn das Web 2.0 ist äußerst veränderungsfreudig und macht oft große Entwicklungssprünge.

Fazit:

Effizientes Active Sourcing ist also ein anderer Workflow als das Recruiting. Es ist Talent-orientiert und absolut personalisiert, folglich auf talentierte Individuen fokussiert. Es integriert das gleichzeitige Suchen, Finden, Auswählen (=Matching) und geht bis zur Suche und Übergabe an das Recruiting oder den Hiring Manager. Es beinhaltet keine Interviews – Interviews führen Recruiter. Sourcing ist also ein Teilprozess des Talent Managements und keine Methode, um große ‚Massen‘ zu rekrutieren. Zwar können Sourcing Komponenten können auch hilfreich sein, um große Recruiting Projekte zu bewältigen. Doch kommt es in diesem Fall darauf an, den Sourcing Workflow sinnvoll und effizient mit dem Recruiting zu harmonisieren bzw. zu orchestrieren.

HAPPY SOURCING!

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