Solange in Xing und LinkedIn die Suchmaschinen ‚Keywort‘-Suchmaschinen waren, ging die Boolsche Suche noch intuitiv und einfach: Die meisten lasen die Kurzanweisung von Xing oder igendeinen englischen Artikel, gaben ihre Suchbegriffe ein und verbanden sie entweder mit AND oder OR.  Das war kein Hexenwerk und die Ergebnisse waren akzeptabel oder halbwegs gut. Aber schon damals war es erkennbar: Mit ein paar Keywords lassen sich allenfalls einige Hardskills identifizieren. Echte Talente findet man so nicht.

Warum funktioniert die Boolesche Suche heute nicht mehr so gut?

2013 hat Xing den neuen Talentmanager eingeführt und mit ihm die Semantische Suche (beide Suchmaschinen bei Xing sind identisch: die des Talentmanagers mit der Erweiterten Suche des Premium Accounts.). Kurz zuvor hat auch LinkedIn die Semantische Suche eingeführt. Aber auch die heutige Semantische Suche wird durch Suchbegriffe in der Kombination mit Booleschen Befehlen gesteuert, nur haben sich diese Kombinationen grundsätzlich geändert. Das System einer Semantischen Suchmaschine ist einfach anders als die reine Keyword Suche. Allerdings greift die Semantische Suche nur dort, wo mehrere Leute das Gleiche suchen bzw. gesucht haben. Durch dieses analoge Suchverhalten hinterlegt die Such- und Antwortsmuster. Die Semantische Suche ‚lernt‘ sozusagen, sie korrigiert und gibt deshalb hin und wieder die bekannte Antwort: ‚Meinten Sie?‘ bei Google. (Xing und LinkedIn zeigen das nicht an, aber korrigieren auch). Solange allerdings noch nie jemand eine Suche analog durchgeführt hat, ist auch die Antwort einer Semantischen Suchmaschine die einer Keywordsuchmaschine: ohne Interpretation.

Talente gezielt mit der Booleschen Suche finden

Eine Suchmaschine ist nur eine Maschine. Sie hat keine eigene Intelligenz und ist nur so gut wie der Bediener. In Großbritannien hat man ein Sprichwort, das dem Sinn dieser Aussage entspricht:

Only bad workers blame their tools.

Es ist also nicht die Suchmaschine schuld, wenn Sie nicht finden und auch nicht die Kandidaten, die ihre Profile nicht ausfüllen und schon gar nicht Xing oder LinkedIn. Es hängt vom Knowhow des Active Sourcers ab.

10 schwerste Fehler der Booleschen Suche

Hier sind die 10 typischen und heftigsten Fehler und somit die Chance für Sie, diese zu vermeiden.

 #1  Verknüpfungs-Wirrwarr

Eine schlechte Voraussetzung beim Active Sourcing ist es, davon auszugehen, dass die eigene Wortwahl (nennen wir es jetzt nicht mehr Keyword, sondern Suchbegriff) oder das ‚Wording‘ des Unternehmens korrekt ist und von der Suchmaschine verstanden wird. Es ist zwar menschlich, dies anzunehmen, aber Sie müssen als erstes davon ausgehen, dass Sie ja auch Profile oder Lebensläufe finden wollen. Und es hängt also alles davon ab, ob der Begriff auch genau so auf dem Profil eines Kandidaten steht. Und dann zweitens auch von Google oder der Xing-Suchmaschinen so verstanden wird. Nehmen wir den berühmten Donaudampferschifffahrtsgesellschaftskapitän (Google findet ihn auch, wenn Sie das eine oder beide ’s‘ rauslassen oder mit einem Bindestrich schreiben – zwei Bindestriche schafft Google nicht mehr). Aber genau das passiert ständig. Auch bei der Xing-Suchmaschine. Deshalb: Wortschüttelspiele sind unklug und unpräzise.

++ SOURCING REGEL 1 ++
DIE REIHENFOLGE der WORTE sind bei der Booleschen Suche genauso entscheidend wie mit den Booleschen Befehlen VERKNÜPFUNGEN erstellen. Das muss minutiös geplant werden und geht nicht intuitiv. Sie müssen in der Sprache der Suchmaschine mit der Suchmaschine sprechen, um sie dazu zu bringen, Ihre gewollten Ergebnisse zu ‚holen‘ und anzuzeigen.

 #2  Schreibweise der Operatoren AND bzw. OR und NOT

Die Basisbefehle der Booleschen Suche schreiben sich immer in Großbuchstaben, wenn man sie schreibt. Aber diese Basisbefehle bewirken nicht in allen Social Medie Portalen und allen Suchmaschinen die gleiche Reaktion! Google z.B. reagiert nicht auf NOT, Sie müssen anstatt ein Minus-zeichen [-] nehmen. Die meisten Suchmaschinen setzen ein ‚erdachtes‘ AND zwischen zwei Worte, die keine Verbindung haben. Sie können aber nicht ein Pluszeichen [+] in allen Suchmaschinen anstatt ein AND einsetzen. Zum Beispiel in Bing bedeutet dies, dass genau dieses Wort gesucht werden soll und ist keine Verknüpfung.

++ SOURCING REGEL 2 ++
Der Einsatz von Booleschen Befehlen und deren Wirkung ändert sich ständig in der Wirkung in den Suchmaschinen. Da obendrein jedes Portal und jede Suchmaschine eigene Regeln hat, erfordert der erfolgreiche Talentfinder-Einsatz sich entweder ständig auf dem Laufenden zu halten, welche Regel was in den Suchergebnissen bewirken oder vor jedem Einsatz eine gezielte Testsequenz durchzuführen.

 #3  (Auto)Vervollständigung

Googles Semantische Suche ist einfach unschlagbar im ‚Mitdenken‘: Sie geben ‚Manager‘ ein und Google bringt Ihnen alle ‚Managerinnen ‚oder die ‚Managerin‘. Also denken viele, das geht auch so in Xing und LinkedIn. Denn dort tauchen ja auch ein paar Frauen in den Ergebnissen auf. Das ist falsch, denn es funktioniert in Xing nur ganz gut, aber in Linkedin richtig schlecht. Ihnen entgehen also viele möglichen Kandidatinnen, wenn Sie sich darauf verlassen. Xing hat vor kurzem wieder das [*] eingeführt, so dass man damit mit Manager* Managerinnen finden kann. Aber wer es testet, kann sehen: das [*] in Xing nur ungefähr 70-80 % der Frauen findet. Es bleibt nicht, Diversity-gerecht finden Sie nur mit dem Suchbegriff auf -in. Unsere Erfahrung ist: Die semantische Su
che hat den effizienten Einsatz von Trunkierungen („Autovervollständigen“) abgeschafft.

++ SOURCING REGEL 3 ++
Semantische Suche erfordert mehr Präzision beim Suchmaschinen steuern und dem klugen Verstehen, welche Reaktion einzelne Befehlskombinationen bei der Suchmaschine auslösen.

 #4  Gruppierungen (und Reihenfolge)

Wir Deutschen können uns in Monsterwörtern oder Titelwirrwarr-Kombinationen verlieren und verlieben. Dies ist schon bei Übersetzungsversuchen für die englischsprechende Welt eine Challenge. Nun sucht aber die Suchmaschine im Grund, da sie ja englisch programmiert ist, auch Englisch. Xing’s Suchmaschinen wurde bereits etwas angepasst, aber alle Suchmaschinen haben mit der deutschen Sprache ein massives Problem. Besonders bei solchen Worten:

     Versicherungsgesellschaft (Assurance company) 
     Energieversorgungsunternehmen (electrical supply company)
     Lichtwellenleiterübertragungstechnik (optic fibre transmission technology) 

Und jetzt nehmen wir einfach Mal einen deutschen Titel, so wie er in jeder zweiten Stellenanzeige in den Jobboards steht. Was denken Sie wird Ihnen LinkedIns Suchmaschine oder die Suchmaschine bei Xing anzeigen, wenn Sie das hier eingeben:

‘Projekt Ingenieur Lichtwellenleiterübertragungstechnik für ein Energieversorgungsunternehmen in Großhadern’.
(optic fibre transmission technology project engineer  for a electrical supply company in Großhadern)

++ SOURCING REGEL 4 ++
Suchmaschinen lesen von links nach rechts und sie haben mit einer einfachen Klammer-Kombination die Möglichkeit Begriffsgruppen zusammen zu fassen. Ein Nesting (mehrere Klammern ineinander) wie in der Mathematik gibt es nicht.

 #5  Unterschiedliche Anführungszeichen

Anführungszeichen sind aus unserer Erfahrung einer der größten Fehlerquellen überhaupt, weil sie so klein sind und beim Copy und Paste übersehen werden. Sie stoppen nicht selten die Suchmaschinen aus, wenn sie falsch geschrieben wurden. Mal unabhängig davon, dass das meiste Copy und Paste zwischen Suchmaschinen und zwischen Microsoft Office und Suchmaschinen (hier ein Blogartikel dazu: Warum ich mir mit Word die Booleschen Strings zerschieße). Wenn Sie Anführungszeichen aus einem Office Produkt kopieren, dann kopieren Sie das Format, also die Schriftart mit. Und das sieht dann so aus:

  oder   „   oder    „    oder    

++ SOURCING REGEL 5 ++
Wenn auch nur ein einziges falsches Zeichen im String ist oder ein Abstand falsch geschrieben ist, beeinflusst dies die Qualität ihrer Ergebnisse oder Sie erhalten sogar überhaupt keine Ergebnisse!
 

 #6  Bindestrich-Linguistik

Manches Mal kann man schon das Gefühl bekommen wir Deutschen sind Bindestrich-Junkys. Wir benützen Strich-Verbindungen für alles, und das besonders gern und so oft wie möglich. Bindestriche einzusetzen heißt in Englisch ‚Hyphening‘ – und wenn wir das Hyphing mit Monsterwörtern verbinden zum Beispiel in Job Titeln, dann spätenstens steigen die meisten Suchmaschinen aus und das Talentfinden hat ein Ende. Hier so ein Beispiel wie man es besser nicht macht:

‚Projekt Ingenieur Lichtwellenleiter-Übertragungstechnik für ein Energieversorgungsunternehmen in Großhadern’. 
‚Projekt-Ingenieur Lichtwellenleiterübertragungstechnik für ein Energie-Versorgungsunternehmen in Großhadern’. 
‚Projektingenieur Lichtwellenleiter-Übertragungstechnik für ein Energieversorgungs-Unternehmen in Großhadern’

10 Fehler Boolsche Suche-600Aber das ist noch nicht alles: Wir haben in der deutschen Sprache 4 verschiedene Versionen Bindestriche darzustellen. Dafür gibt es nicht nur grammatische Regeln, sondern auch eigene Tastatur Codes. Diese Codes sieht man nicht – aber die Suchmaschine wertet sie. Deshalb müssen Sie als Active Sourcer nicht nur aufpassen, welchen Strich Sie wählen, sondern manche Website oder Profile finden Sie nicht, weil dort ein solch anderer Bindestrich von Kandidaten hinterlegt wurde.

++ SOURCING REGEL 6 ++
Fassen Sie Titel und Berufe, Skills und Mindsets in Suchbegriffsgruppen zusammen und übersetzen Sie diese in Suchmaschinensprache bevor sie diese Suchbegriffsgruppen mit Booleschen Befehlen verknüpfen. Ihre Ergebnisse danken es Ihnen! 

 #7  Denglish

‚Do you speak English?‘  Würden die meisten in Deutschland mit ja beantworten – hat die englische Sprache doch überall Einzug gehalten. Was kaum auffällt: Wir haben unsere eigenen Regeln, Englisch zu sprechen. Besonders kreativ sind wir in der Englisch-Adaption und Integration bei Job-Titeln und Fachbegriffen, wir deutschen sie ein. Das Ergebnis ist fast wie ein Dialekt mit eigenen Grammatikregeln, eigenen Worten, deren Wortstamm mal Englisch waren, aber nun im Duden stehen und eingedeutscht sind.

In Wikipedia wächst die Seite dazu stetig unter dem Namen: Denglish. Typisch dafür ist die ‚Developerin Applikations-Management‚ oder der ‚Projectingenieur für Semiconductor-Development‚. Das Problem dabei ist: Wir suchen versteckte Kandidaten, die ihre Titel in zig Schreibweisen schreiben und die Suchmaschinen reagieren auf Keywords unterschiedlich.

++ SOURCING REGEL 7 ++
Was Sie als Personaler können, kann der Kandidat aber schon lange! Kandidaten stehen uns in dem, was auf ihren Profilen steht, in nichts an Kreativität nach. Und wenn Sie meinen, Sie haben schon alles gesehen, dann sollte  Sie unbedingt mit Active Sourcing anfangen – Sie werden eines Besseren belehrt. Um Talente zu finden, müssen Sie nicht nur die Sprache der Suchmaschinen lernen, sondern die Online-Sprache Ihrer Talente. 

 #8  String-Over-Engineering

Richtig, wir Deutschen sind Effizienz-Weltmeister. Deshalb denken viele Effizienz und Professionalität des Active Sourcings und damit der Boolschen Suche ist wie deutsche Bau-Ingenieurkunst eine Methodenkompetenz, ein Knowhow basierend auf der richtigen Kombination von Praxis-Erfahrung und dem entsprechenden Wissen. Also denke viele: Ein Sourcing-String bzw. die Suchkette mit Suchbegriffen und Booleschen Befehlen ist wie ein Programm. Man muss dieses Programm nur einmal schreiben, dann kopiert man das Ganze in Xing oder Linkedin  – und hat von Zauberhand meine Kandidatenliste. Wie bei einer App auf dem Handy.

Da ist mehr der Wunsch der Vater der Gedanken. Denn es schon durch die Punkte #1 bis #7 klar: Active Sourcing ist ein Prozess und zwar in iterativer, der erlernt werden will. Active Sourcing ist nicht ein einmal Programm schreiben, das über Jahre hält. Sourcing unterliegt Regeln – aber diese kann man erlernen. Es gibt 21 Active Sourcing Methoden, die wir im deutschen Sprachraum erfolgreich einsetzen können. Und in fast allen spielen die Booleschen Befehle eine Rolle!

++ SOURCING REGEL 8 ++
Die Booleschen Befehle sind wie die Domino Steine in einer Kette. Man muss lernen sie richtig einzusetzen und die sorgen dafür, dass alles in die richtige Richtung läuft. Der One-Fits-Alls-String gibt es nicht, aber man kann sich kluge String-Teile erarbeiten und diese in einer Bibliothek speichern. Ein Teil davon kann also immer wieder verwenden und wie Module zusammensetzen. Man muss nicht immer alles neu schreiben.

 #9  (Gute) Vorbereitung 

Die Algorithmen der Suchmaschinen und damit die Suchmaschinen sowohl der Social Media Portale als auch im Web ändern sich rasant. Der letzte Schritt von der bisherigen Keyword-Suche zur „Semantischen Suche“ sind schon ein Sprung gewesen – dennoch wird er in den Suchmaschinen nur langsam, ganz langsam umgesetzt. Lernende Maschinen passen sich ständig an und verändern mit der Umgebung. Deshalb müssen sich besonders die deutschsprachige erfolgreichen Sourcer mit Suchmaschinen und ihrer Funktionsweise auseinandersetzen, um diese dann zu den besten Talenten steuern zu können.

Wir haben im Gegensatz zur englischen Sprachwelt Glück! Wir haben im Grunde zwei Googles und mehrere LinkedIns, die wir benützen können. Und diese können wir sogar kombinieren und dabei jeweils geschickt, der Suchmaschinen die richtigen Suchergebnisse  entlocken. Sehen Sie selbst am Beispiel der Röntgen-Technik (X-Ray genannt: Hier mehr erklärt)

1.) Deutsches Google mit deutschem Linkedin: www.google.de + site:de.linkedin.com
2.) Deutsches Google mit US-Linkedin www.google.de  + site:linkedin.com
3.) US-Google mit deutschem Linkedin www.google.com + site:de.linkedin.com
4.) US-Google with US-Linkedin www.google.com + site:linkedin.com

++ SOURCING REGEL 9 ++
Wir können mit der deutschen Sprache englischen Suchmaschinen nicht gleichermaßen steuern, da sie für die englische Sprache geschrieben wurden. Wichtig ist dabei: (Besonders deutschsprachige) Active Sourcer müssen ständig am Ball bleiben und lernen, überprüfen und dürfen sich nicht nur auf die Boolesche Suche
verlassen, wenn sie finden wollen. 

 #10  Suchbegriffs-Hierarchie

Last but not least ein großer Fehler im Einsatz der Booleschen Suche beim Active Sourcing ist das Verkennen der Wichtigkeit der Reihenfolge der Suchbegriffe. Suchmaschinen würfeln nicht, sie arbeiten stur von links nach rechts und dabei ihre Anweisungen ab. Diese Anweisungen kann der Sourcer durch Suchbegriffskombinationen umleiten, aber nur eine nach der anderen. Wenn Sie allerdings zum Beispiel bereits auf der falschen Website sind und dort auch noch das falsche Wort suchen, können Sie das nicht einfach durch nachträgliche weitere Begriffe und Verlängerung Ihres Strings korrigieren. Ein String ist wie ein Pfeil, der seine vorgegebene Bahn fliegt und wenn Sie diesen nicht mit den richtigen Federn (Suchbegriffen) ausrüsten und in die falsche Richtung abschießen, können Sie nicht treffen (egal wie gut der Bogen – also die Suchmaschine – ist).

++ SOURCING REGEL 10 ++
Die Reihenfolge der Suchbegriffe und Booleschen Befehle ist entscheidend für den Sucherfolg und muss genau buchgeführt werden, um zu erkennen, welche Änderungen was bewirken. Die müssen sich also im Klaren sein, in welchem Medium (z.B. Xing oder LinkedIn) sich Ihr String wie bewegen kann, um die richtigen Informationen zu finden. Es gibt selten nur einen Weg zum Ziel.

Hier die überarbeitete Präsentation des Gratis-Webinars mit noch mehr Beispielen

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